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Horror-Comedy „Krampus“ joyfully kills off the Xmas kitsch – only to reinstall it with a whimsical vengeance

Horror-Comedy „Krampus“ joyfully kills off the Xmas kitsch – only to reinstall it with a whimsical vengeance

Den schrecklichsten Weihnachts-Horror zeigt Regisseur Michael Dougherty in den ersten Minuten seiner Horrorkomödie. Käuferscharen ringen im überfüllten Kaufhaus um Geschenke, während die Kinder heulen und Schnulzmusik läuft. Für den kleinen Max (Emjay Anthony) geht der weltliche Feiertagsgraus so richtig los, als die ätzende Verwandtschaft bei seinen Eltern über Weihnachten einzieht. Doch bald steht ein noch schlimmerer Gast vor der Türe als die alkoholselige Tante. Familienzankereien sind nichts gegen den Kampf mit ihm: Krampus!

Die Titelfigur des gerade so kindertauglichen Fantasy-Grusels erinnert an eine Kreuzung zwischen Beelzebub und Knecht Ruprecht und ist im Brauchtum des Alpenraums noch heute lebendig. Krampus kommt der Sage nach in der Nikolausnacht, doch statt Süßigkeiten zu bringen schnappt er ungezogene Kinder. Mit rasselnden Ketten und Eisenglocken ist der heidnische Dämon Kontrastbild christlichen Weihnachtskitsches, wie er in den USA regiert. Die Zerstörung des Deko-Overkills zelebriert die Inszenierung folglich mit sardonischer Freude, die mehr Empathie weckt als die Leiden der belagerten Sippe. An die Geistergeschichten-Tradition dunkler Winterwochen erinnert der fiese Familienspaß, wenn das Fest von Max, seiner Schwester Beth (Stefania LaVie Owen), Vater David (Adam Scott), Mutter Sarah (Toni Collette) sowie der liebevollen Großmutter (Krista Stadler) mit einem Ausschnitt aus einer alten Charles-Dickens-Verfilmung beginnt. An die filmischen Vorbilder aus dem Weihnachts-Horror-Genre wie Gremlins oder Nightmare before Christmas reicht die amerikanisierte Version des Alpenmythos jedoch nie heran. 

Das Dinner mit Sarahs Schwester (Allison Tolman), deren Gatten Howard (David Koechner), der nervigen Kinderschar und obendrein der Trinker-Tante (Conchata Ferrell) versandet im bemühten Abspulen der üblichen Gags anlässlich dergleichen Kino-Familientreffen. Am Menü wird gemäkelt, Howard hält David für ein Weichei und die gemeine Cousine ließt hämischMax’ Brief an Santa vor. Dabei wünscht sich der kleine Hauptcharakter doch bloß mehr Familienzusammenhalt. Der Wunsch erfüllt sich auf schaurige Weise, als einem nächtlichen Stromausfall ein arktischer, besser gesagt: alpiner Schneesturm folgt. Im Flockentreiben tönt unheimliches Glockengeläut, vorm Haus versammeln sich teuflisch dreinblickende Schneemänner und Omi erinnert sich an ein unseliges Weihnachten ihrer Kindheit. Als Beth von einem Freundesbesuch nicht zurück kehrt, gilt es der unheimlichen Bedrohung zu trotzen. Eine Extremsituation und ein gemeinsamer Gegner schweißen die Familienbande neu zusammen. Bei dieser vorhersehbaren Entwicklung bleibt das Titelmonster leider (zu) lange im Hintergrund. Offenbar traut Drehbuchautoren-Trio Todd Casey, Dougherty und Zach Shields dem originellen Schurken keine ausreichend erschreckende Wirkung zu. Statt seiner malträtiert eine Sackladung dämonischer Spielzeuge die auf ihr uramerikanisches Waffenarsenal zurückgreifende Sippe. 

Das blutfreie Gerangel im deutlich als Studiokulisse erkennbaren Setting gleicht einer holprigen Geisterbahnfahrt. Gruselig wird es nie, obwohl der Stoff dafür durchaus Potential hat. Die gelungeneren Szenen unterstreichen gerade die altmodische Facette des Kinderschrecks und ersetzen CGI-Effekte durch teuflische Masken und Mummenschanz. Einsamer Höhepunkt ist eine animierte Rückblende zu Großmutters erstem Krampusfest, die kindliche Urängste vor Hoffnungslosigkeit und Verlassenheit evoziert. Der atmosphärische Kurzfilm zeigt, welch tolle Schauerstory der Stoff hergegeben hätte, wäre nur auf christlich-besinnlich Tünche („Ein Hirte muss seine Herde beschützen!“) und Mainstream-Monsteraction verzichtet worden. So ist Krampus am Ende genau wie Santa Claus machtlos gegen das Allerwichtigste am Weihnachtsfest: den Kommerz. 

  • OT: Krampus
  • Regie: Michael Dougherty
  • Drehbuch: Todd Casey, Michael Dougherty, Zach Shields
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2015
  • Laufzeit: 98 min. 
  • Cast: Adam Scott, Toni Collette, David Koechner, Allison Tolman, Conchata Ferrell, Emjay Anthony, Krista Stadler, Mark Atkin, Trevor Bau, Gideon Emery, Maverick Flack, Sophie Gannon, Ivy George, Felicity Hamill, Luke Hawker, Lolo Owen
  • Kinostart: 03.12.2015
  • Beitragsbild © Universal Pictures
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