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Guillermo del Toro’s „Crimson Peak“ is close to rock bottom of Gothic gaudiness

Guillermo del Toro’s „Crimson Peak“ is close to rock bottom of Gothic gaudiness

In einer Szene von Guillermo del Toros Gothic Thriller hält die junge Heldin Edith Cushing (Mia Wasikowska) einen blutbeschmierten Füllfederhalter in der Hand und ist zu allem entschlossen. An diesen Punkt standen wohl auch der Regisseur und sein Co-Drehbuchautor Matthew Robbins. Ihr Horrorroman für die Leinwand fühlt sich an wie eine Mischung aus Jan de Bonts Remake The Haunting und Dark Shadows. Alle (Selbst)Ironie wurde begraben, gleich neben der vorsorglich gekillten Spannung. Der Gruselgenuss wurde zwar grausam gekappt, aber dafür wallen die Samtvorhänge und wehenden Gewänder in den Opernkulissen. 

Nennt der undurchsichtige Baron Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) der aspirierenden Schriftstellerin Edith die zahlreichen Mängel ihres ersten Romanmanuskripts, liefert er zugleich eine treffende Kurzbeschreibung der Mängel del Toros jüngsten Werkes: sentimental, voller Klischees, wie aus der Phantasie eines verwöhnten Kindes. Die Schauerromanze klaut ihre Szenarien zum einen aus Ann Radcliffs und Mathew Lewis’ Gothic Fiction, zum anderen aus (Kino)Klassikern wie House on Haunted Hill und Rebecca. Was verzeihlich wäre, würde der Plot nicht ausschließlich die abgedroschensten Versatzstücke gedankenlos zusammenwerfen. Hatte del Toro nicht mal Phantasie? Die setzt er in seiner  Gruselromanze jedenfalls nicht ein. Dafür greift er tief in die CGI-Trick- AKA -Mottenkiste. 

Gleich zum Auftakt warnt Ediths Mama aus dem Grabe ihre Tochter: „Hüte dich vor Crimson Peak!“. Ominös, was könnte sie damit nur meinen? Vielleicht den Familiensitz von Thomas und dessen morbider Schwester Lucille (Jessica Chastain), wo rotes Gestein durch morsche Böden quillt und Schnee blutrot färbt? Womöglich warnt die Ghost Mom bloß die Zuschauerschaft vor einer Kinovorstellung von Crimson Peak. Oder für die Toten ist das Todsein einfach öde und sie kommen aus Langweile zurück. Einen Grund zum Spuken hat zwischen im Kerzenschein wehenden Vorhängen im Anwesen von Ediths Gemahl alles und jeder. War das gerade der Geist von Ediths Mutter oder eine der Verflossenen, die dem Titelort das Flair von Blaubarts Burg verleihen? 

Egal, die Botschaft aus dem Jenseits ist unmissverständlich: Edith soll das baufällige Anwesen verlassen, so lange sie noch kann. Doch das fällt ihr im Traum nicht ein. Die selbstbewusste Hauptfigur soll gegenüber den Gesellschaftsdamen des 19. Jahrhunderts intelligent und modern wirken. Tatsächlich verköpert sie die naive Unschuld, die ahnungslos in mörderische Komplotte tappt. Dabei hätte jede_r schon bei der Ankunft in der Bruchbude, durch deren kaputte Decke ununterbrochen Blätter rieseln (von welchen nimmer blattlosen Bäumen eigentlich? Müsste der Blätterberg nicht irgendwann bis zur Decke reichen, da niemand ihn wegfegt?) und wo blutrotes Wasser aus ächzenden Leitungen fließt, kehr gemacht. Doch Edith bleibt zum Missfallen ihres Verehrers Dr. Alan McMichael (Charlie Hunnam). 

Auch ihr Vater (Jim Beaver) misstraut dem Geschwisterpaar, gesellt sich aber dann in grausiger Manier zu seiner verflossenen Gattin. Solche Momente sollen geheimnisvoll und nägelknabbernd spannend sein, sind jedoch bestenfalls so gruselig wie wie Sitznachbarn, die alle Plot-Twists vorab ausplappern, damit alle wissen, dass sie wissen, was wer im Schilde führt und warum. Jenes „warum“ erschließt sie nicht nie während der Geisterbahnfahrt, die wie ein jenseitiges Coaching wirkt. Jetzt kann Edith endlich ihre Schauergeschichten aus Erfahrung schreiben! Vielleicht kommt dabei Passableres heraus als Crimson Peak, für den sich Thomas’ Verarbeitungstaktik eignet: „Ich schließe immer die Augen, wenn ich mich unwohl fühle. Das macht alles viel leichter.“ 

  • OT: Crimson Peak
  • Regie: Guillermo del Toro
  • Drehbuch: Guillermo del Toro
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2015
  • Laufzeit: 118 min. 
  • Cast: Charlie Hunnam, Jessica Chastain, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, Doug Jones, Burn Gorman, Jim Beaver, Leslie Hope, Javier Botet, Jim Watson, Sofia Wells, Bruce Gray, Joanna Douglas, Kimberly-Sue Murray, Emily Coutts, Gillian Ferrier
  • Kinostart:  15.10.2015
  • Beitragsbild © Universal Pictures