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Doku „Auf dem Weg zur Schule“ ist überlang & trivial wie früher der Schulweg

Doku „Auf dem Weg zur Schule“ ist überlang & trivial wie früher der Schulweg

Bist du erschöpft?“, fragt Zahira, die Pascal Plisson wie drei andere Kindern aus vier entlegenen Ecken der Welt wie es der Titel verspricht Auf dem Weg zur Schule begleitet. Die Worte, die eine penetrante Synchronisation der 12-Jährigen in den Mund legt, gelten den beiden Freundinnen, die mit ihr täglich den beschwerlichen Weg durch Marokkos Berge bewältigen, doch als ZuschauerIn fühlt man sich ebenso angesprochen. Ja, man ist erschöpft, um nicht zu sagen total am Ende. Dabei hat die strapaziöse Doku-Lektion mit ihrer endlosen Lobpreisung des Lernendürfens gerade erst begonnen. Die malerischen Landschaftsaufnahmen vermitteln das Gefühl, man sei mittendrin. Nicht etwa im Alltag der Kinder, sondern einem IMAX-Film.

An einen solchen Unterhaltungsbilderbogen mit epischer Musik, Oberlehrerkommentar und Vorschlaghammerbotschaft erinnert das Kinodebüt Plissons. Der Regisseur hielt obendrein die Kamera und verfasste das hinter jedem Abenteuer der jungen Protagonisten hervorlugende Drehbuch. Darin sind die Kinder lediglich Vorwand für Kamerafahrten entlang pittoresker Panoramen und Hohelieder auf den Schulbesuch. Schon klar, lernen ist wichtig. Aber die individuellen Lebensumstände, die den Schulbesuch gerade dieser Kinder zu etwas Besonderem machen, interessieren nicht. Statt Porträts liefert Plisson bloße Folien für Exotismus und Sentimentalität. Die Stimmen der Kinder und ihrer Familien bleiben buchstäblich ungehört. Milde elterliche Ermahnungen und Wünsche „dass ihr stark, gebildet, tüchtig, mutig und klug werdet“ wirken gestellt.

Lassen sich Mangel und Elend nicht übertünchen, werden sie relativiert: „Man kommt mit nichts auf die Welt und kann nichts mitnehmen“. Schlimm genug, dass „wir oft vergessen, was für ein Glück wir haben, zur Schule gehen zu können“! Und was für ein Glück, dass Plisson sich freiwillig als Nachhilfelehrer meldete. Ein gewichtiger Job, denn laut seines Filmchens gibt es nichts Wichtigeres als den Schulbesuch. Folglich ist niemand wichtigere als – die Schüler? Falsch, sechs! Den Lehrer, der Schule zu dem macht, was sie auf der Leinwand ist: die heiligste aller Pilgerstätten, zu der kein Weg zu weit ist. Wie Zahira sagt: „So ist das nunmal, wenn man was lernen will. Da müssen wir durch.

  • OT: Sur Le Chemin De L’école
  • Regie: Pascal Plisson
  • Drehbuch: Pascal Plisson, Marie-Claire Javoy
  • Produktionsland: Frankreich
  • Jahr: 2013
  • Laufzeit: 77 min.
  • Cast: Jackson, Zahira, Carlito, Samuel
  • Kinostart: 05.12.2013
  • Beitragsbild © Wild Bunch/ Senator
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