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Christian conversion crime crap „Captive“ trapped by its own sell-out sanctimony

Christian conversion crime crap „Captive“ trapped by its own sell-out sanctimony

Alles ein Haufen kirchlicher Mist. So kommentiert Gewaltverbrecher Brian Nichols (David Oyelowo) das christliche Erbauungsbuch The Purpose Driven Life, aus dem ihm Geisel Ashley Smith (Kate Mara) vorliest. Höchstwahrscheinlich liegt er genau richtig mit seinem Urteil, dass peinlich gut auch auf Jeremy Jamesons Thriller passt. Die darin eifrig angepriesene Megakirche ist die Saddleback Church, gegründet von Pastor Rick Warren. Er ist  Autor des handlungszentralen Bestsellers, für den das doktrinäre Geiseldrama als abendfüllender Werbeclip dient. Der Abspann rückt den Verfasser in heiligengleiches Licht, das nicht erleuchten, sondern labile Gemüter verblenden soll. 

Ein paar Zeilen aus dem mit Bibelzitaten gefüllten Werk besänftigen den skrupellosen Killer Nichols und geben der abgewrackten Junkie-Mutter Ashley die Kraft zum Entzug. Die positive Wirkung Warrens Wälzers ist in den USA augenscheinlich so etabliert, dass jeder Sozialarbeiter einige Exemplare herumschleppt. Ashley wirft das Buch prompt in den Müll, wo es vermutlich gut aufgehoben wäre. Doch dank einer hartnäckigen Gruppenleiterin und natürlich Gottes unergründlichen Wegen landet es in ihrem neuen Heim. Dort wurde die reale Ashley Smith 2005 von Mehrfachmörder Nichols sieben Stunden als Geisel gehalten, brachte ihn jedoch angeblich durch Vorlesen besagten Buches zum Aufgeben. Jamesons Inszenierung schafft das beim Publikum bereits nach 97 Minuten. 

Dass Kate Mara weder in Aussehen noch Verhalten an eine Methode-Süchtige erinnert, fügt sich nahtlos in das unfreiwillig alberne Szenario. Das basiert aufs Smiths Erfahrungsroman An Unlikely Angel, der prompt in das Werbepaket eingebunden wird. Ansonsten plätschert die Handlung gleichgültig dahin, während die Protagonisten sich immer widersprüchlicher und absurder verhalten. Jede psychologische Dynamik oder Spannung wird abgewürgt. Die Figuren durchlaufen keinerlei Entwicklung, sonder wechseln abrupt ihre Verhaltensmodi. Ihre Schablonenhaftigkeit bedient die rassistischen, bigotten Klischeebilder, für die das Szenario im doppelten Sinn wie geschaffen ist. Der bedrohliche Schwarze ist nichts als Gottes Werkzeug, um die schwachen weißen Frau auf den Pfad konservativer Muttertugend zurück zu helfen. 

Dergleichen verkorkste Weltkonzepte begründen die lukrative Popularität Warrens, der sich unter anderem gegen Anti-Diskriminierungsgesetze, die Evolution, selbstbestimmtes Sterben und religiöse Freiheit ausspricht. Um den Kinostart von Captive zu sichern, hatte er mutmaßlich einige weltliche Mittel. Denn was immer die handwerklich und inhaltlich ebenbürtig miserable Bekehrungsschnulze mit plumper messianischer Botschaft an Verlust einfahren könnte, werden die dadurch frisch angekurbelten Buchverkäufe wieder einbringen. Warrens Leben scheint wahrhaftig ungeheuer geleitet von einem bestimmten Zweck. Und der heiligt bekanntlich die Mittel. 

  • OT: Captive
  • Regie: Jerry Jameson
  • Drehbuch: Reinhard Denke, Ashley Smith
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2015
  • Laufzeit: 97 min. 
  • Cast: Kate Mara, Mimi Rogers, David Oyelowo, Leonor Varela, Jessica Oyelowo, Matt Lowe, Melissa Eastwood, E. Roger Mitchell, J. Karen Thomas, Michael Mercaldi, Michael Harding, Marlo Scheitler, Scott Parks, Sydelle Noel, Fred Galle, Kevin J. O’Connor
  • Kinostart: 17.09.2015
  • Beitragsbild © Paramount Pictures