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Chiles Folk-Singer & -Hero „Violeta Parra“ bekommt ihr erstes Biopic

Chiles Folk-Singer & -Hero „Violeta Parra“ bekommt ihr erstes Biopic

Kreativität sei ein Vogel ohne Flugplan. Sie folge nie einer geraden Bahn, heißt es einmal aus dem Munde der Titelfigur. Getreu dieses Zitats der prägenden chilenischen Folk-Sängerin sträubt sich Andres Woods Biopic gegen jede formelle Kontinuität, gleichsam der Heldin, die sich gegen die Konventionen ihres Umfelds auflehnt.

Was ihre Geschichte sei, fragt der Moderator (Luis Machin) eines Fernsehinterviews, um das Andres Woods einschneidende Episoden aus dem Leben der widersprüchlichen Künstlerin (Francisca Gavilan) gruppiert. Eine Antwort bleibt die Hauptfigur genauso schuldig wie Woods fragmentarische Persönlichkeitsstudie. Sie wiederholt in der Rahmenhandlung lediglich gedankenvoll die zentrale Frage des skeptischen Interviewers und des gewogenen Plots, als habe sie selbst keine Erklärung.

Creation is a bird without a flight plan. It will never fly in a straight line.  

Violeta Parra

Doch das ambitionierte Drama arrangiert sich mit dem Mangel an Einsicht in die komplizierte Psyche seiner Protagonistin und geht mit auf die Suche. Auf einer solchen Suche zeigt sie die Eröffnungsszene inmitten der chilenischen Bergwelt. Raum und Zeit sind untergeordnete Dimensionen für das kantige Filmporträt, das in der Glorifikation aufgeht. Das cineastische Altarbild verleiht Violetas produktiver Wanderschaft zu folkloristischen Schätzen ihres Landes neben der soziokulturellen Ebene eine spirituelle. Sie will „eine andere Art von Musik“ und findet sie in überlieferten Gesängen der bäuerlichen Landbevölkerung. Ihre einzigartige Interpretation dieses Liedguts machte die 1917 in der Provinz geborenen Tochter eines Dorflehrers (Christian Quevedo) zur Begründerin des neuen chilenischen Lieds.

Neben dem Komitee des Louvre nimmt Parra den Anthropologen Gilbert Favre (Thomas Durand) für sie ein. Die kreative Umtriebigkeit der Musikerin, Malerin, Dichterin, Bildhauerin und Töpferin entspringt im Film einem vorkämpferischen Nimbus, die Verwehrung als Beleidigung empfindet und Desinteresse als Provokation. Eine markante Pilgerin in den Anden, begleitet von nichts als ihrem Gitarrenkoffer: In dieser ikonischen Position wollen Woods und Kameramann Miguel Ioan Littin sie rahmen, so häufig kehren sie zu diesem Bild zurück. Die metaphysisch angehauchte und zugleich organische Szene bleibt einer der raren Fixpunkte einer Lebensskizze, die allein ihrer Impulsivität folgt. Auch dies ganz im Sinne und nach den Worten Parras: „Umarme das Chaos.

  • OT: Violeta se fue a los cielos
  • Regie: Anfrés wood
  • Drehbuch: Eliseo Altunaga
  • Produktionsland: Chile
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 110 min.
  • Cast: Francisca Gavilán, Thomas Durand, Christian Quevedo, Gabriela Aguilera, Roberto Farías, Marcial Tagle, Juan Quezada, Sergio Piña, Daniel Antivilo, Pedro Salinas, Ana Fuentes, Stephania Barbagelata, Patricio Ossa, Vanesa González, Luis Machín
  • Kinostart: 29.11.2012
  • Beitragsbild © Arsenal Filmverleih

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