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Berlinale ’19: „Ich war zuhause, aber …“ – Hamlet, Hase, Hund & Hirnlosigkeit im Wettbewerb

Berlinale ’19: „Ich war zuhause, aber …“ – Hamlet, Hase, Hund & Hirnlosigkeit im Wettbewerb

Esel, Hund und Hase werden sogar im Abspann genannt. Das haben die Drei sich auch verdient, denn sie leisten in dem unerträglich uninteressanten Wettbewerbsbeitrag die meiste Schauspielarbeit. Der Hase läuft übers Feld. Der Hund jagt den Hasen. Der Esel guckt aus dem Fenster eines Stalls und wirkt dezent gelangweilt. Die Belanglosigkeit der Dinge und Dialoge, die in zähen 105 Minuten selbst den Berlinale-Signature-Clip wie nervenzerfetzendes Drama voller Tiefgang erscheinen lässt, erwischt artübergreifend sogar die genügsamsten Huftiere. Den Hasen erwischt was anderes, nämlich der Hund. Das Ende einer jungen Schauspielkarriere? Weltbewegenden Fragen, die aufkommen, während die Kamera an Wänden klebt, Haustüren und auch mal einem Stück Waldboden. 

Der Waldboden kommt später nochmals vor und – Spoiler Alert! – genauso der Esel. Selbigen assoziierte ein Kollege, der ebenfalls ratlos einen Sinn in der drögen Bilderfolge zu finden sichte, an die Bremer Stadtmusikanten. Zu denen gehörten aber eine Katze und ein Hahn. Einziges Federvieh, das in der Montage Marke „Schnittmüll“ auftaucht, ist ein Rebhuhn. Wie das auf dem Filmplakat. Das hat also nicht zu viel versprochen in der Beziehung. Übersteigerte Erwartungshaltungen weckt höchstens der Aufdruck „69. Berlinale“. Wobei – das gilt wahrscheinlich nicht mehr in Zukunft, wenn der Wettbewerb als einer der schlechtesten ever erinnert wird. Und was wäre ein worst of ohne Angela Schanelec, die schon mehrfach Festivaltiefpunkte setzt. 

Das war damals im Forum („schlechter Forums-Film“ will was heißen). Ihr jüngstes Werk ist bar jeder Ästhetik, Dramatik und Sinnigkeit, dafür randvoll mit Prätention. Beherrscht die platten Aufnahmen nicht erschöpfende Stille, regiert noch erschöpfenderer Pseudo-Intellektualismus. Da palavert Neurotikerin Astrid (Maren Eggert), dass man „nur etwas beherrscht, wenn man die Kontrolle verliert“, dass es „zwischen denen, die sich begegnen, keine gemeinsame Wahrheit gibt“, dafür aber „Elemente, die sich nicht verbinden, aus denen einfach nichts entsteht“. Hey, genau solche Elemente, die sich zu. Nichts verbinden, ergeben ja den Film! Brillant, oder? Ähm, nein. Und was kann dafür das Rebhuhn? Auf den Bären kann die Regisseurin wohl lange warten.

Tödliche Langweile, blasierte Phrasendrescherei und selbstverliebtes Psychologisieren verbinden Angela Schanelec zu einem dumpfen Szenenkatalog. Inspiriert ist das Gefilme ohne Handlung oder verbindenden Kontext angeblich von Yasujirō Ozu und Shakespeare. Aber sicher doch, sind wir das nicht alle? Um es mit der Frage einer der meist verpennten Figuren zu umschreiben: „Entscheiden wir jetzt oder gehen wir schlafen?“ Statt sich für das Werk zu entscheiden, lieber schlafen. Oder zuhause bleiben. Ohne Aber. 

  • OT: Ich war Zuhause, aber …
  • Regie: Angela Schanelec
  • Drehbuch: Angela Schanelec
  • Produktionsland: Deutschland, Serbien
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 105 min. 
  • Cast: Franz Rogowski, Alan Williams, Devid Striesow, Lilith Stangenberg, Maren Eggert, Ann-Kristin Reyels, Nicolas Wackerbarth, Wolfgang Michael, Dane Komljen, Jirka Zett, Lucas Confurius, Thorbjörn Björnsson, Jakob Lassalle, Ursula Renneke, Marcel Kohler
  • Beitragsbild © Berlinale 
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