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Berlinale ’11: Korruption, Karrierismus & Crime treiben Seung-Wan Ryoos Thriller „The Unjust“

Berlinale ’11: Korruption, Karrierismus & Crime treiben Seung-Wan Ryoos Thriller „The Unjust“

Das Böse hat längst gewonnen in Seung-Wan Ryoos fatalistischem Verwirrspiel. Der erste Mord des Amoral-Märchens geschieht von Hand der Gesetzeshütern. Nach dem letzten ist der Titel universell geworden. Auf dem Grund der tödlichen Spirale sind alle Unrechte.

Nachdem ein Ermittler den Hauptverdächtigen in einer Mordserie, welche die Polizei unter Regierungs- und Öffentlichkeitsdruck verfolgt, ohne Beweise für dessen Schuld umbringt, muss ein neuer Täter her. Die blutigen Titelworte stehen über einer Filmwelt, in der nur die Skrupellosesten und Korruptesten überleben; ob beruflich oder wortwörtlich rückt im Laufe des verschachtelten Plots immer weiter in den Hintergrund. Für die Protagonisten kommt es meist aufs Gleiche hinaus. Ohne Verbindungen zu höheren Stellen hat Detective Choi (Jung-min Hwang) keine Karrierechancen. Zudem droht das Fehlverhalten eines Verwandten ihn beruflich zu vernichten. 

Kontakte entscheiden alles in polizeilichen Reihen, in denen Choi seine Rechtschaffenheit nicht weit gebracht hat. Ist die eigene Moral wertlos, wird Korruption akzeptabel. Um den Serienmörder-Fall abzuschließen lässt sich der verbitterte Protagonist von Anwalt Joo Yang (Ryoo Seung-Beom) unterstützen. Joo beauftragt zwecks eines inszenierten Kriminalkomplotts den mysteriösen Actor. Dessen Spitzname ist überaus treffend – und ätzende Ironie. In ihrer Brutalität sind die verhärteten Figuren unerbittlich, dafür allzu kompromissbereit mit Gesetz und Moral. Denn mit dem eigenen Gewissen lässt es sich leichter verhandeln als mit Menschen. 

Stilistische Vorbilder sucht Ryoo unter den Klassikern des US-Thrillers. Während der Genrespezialist in vergangenen Werken Stereotypen asiatischer Action-Unterhaltung karikierte, schlägt ernstere Töne an. Sein pessimistischer Korruptionskrimi untermauert die defätistische Atmosphäre mit schmutzig-ausgebleichten Farben und einem Siegel und Friedkin orientierten Zynismus. Alle Voraussetzungen für solide Genreware sind gegeben, nur fehlt es der Inszenierung an Konsequenz. Er pendelt unentschlossen zwischen Action-Unterhaltung und unterkühlter Abrechnung mit hehren institutionellen Idealen. Dieser Wankelmut endet nicht gut – weder für die kollabierende Story noch deren Protagonisten.

  • OT: Bu-dang-geo-rae
  • Regie: Seung-wan Ryoo
  • Drehbuch: Seung-wan Ryoo
  • Produktionsland: Korea
  • Jahr: 2010
  • Länge: 120 min. 
  • Cast: Jung-min Hwang, Seung-bum Ryoo, Ho-jin Chun, Hae-jin Yoo, Dong-seok Ma, Yeong-jin Jo, Jung-kook Woo, Man-sik Jeong, Sung-min Lee, Min-jae Kim, Bon-woong Ko
  • Beitragsbild © Berlinale 
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