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Berlinale ’11: Doku „The Advocate for Fagdom“ feiert Bruce LaBruce – zumindest sein Image

Berlinale ’11: Doku „The Advocate for Fagdom“ feiert Bruce LaBruce – zumindest sein Image

John Waters dachte früher immer, der habe den Namen von den Eltern mitbekommen. Dass im ländlichen Kanada eine Ms. LaBruce die kuriose Eingebung gehabt habe, ihres Kindes Vornamen aus dem Nachnamen abzuleiten. Gus van Sant dachte früher, der sei Kurt Cobains Lieblingsregisseur gewesen. Einer sagt schließlich, was wohl Regisseurin Angelique Bosio denkt: Dass der dort oben auf die Bühne des Kodak-Theaters gehöre – aber man habe vergessen. Das zu ändern scheint Hauptanliegen ihrer kurzweiligen Hommage, die nichtmal den bürgerlichen Namen des Titelcharakters verrät.

Wie auch? Die Dokumentarfilmerin kennt weder den bürgerlichen Namen, noch den Mensch hinter der Kunstfigur. Deren filmisches Schaffen umschreiben John Waters, Gus van Sant und Bruce Benderson in schillernden Worten. Art-House-Porno, Trash, sozialkritisches Experiment, politisches Statement, Exhibitionismus bezüglich eigener Perversionen. Erklären können sie es nicht. Sogar LaBruce gesteht, seine Filme seien so abgehoben, dass er sie selbst mitunter nicht kapiert. Lapidare Sprüche wie „Bruce’s movies feel like Bruce’s personality“ passt zur paradoxen Agenda der Doku. 

Das Idol soll gefeiert werden, nicht ergründet. Dank der prominenten Interviewpartner ist das ausreichend amüsant, aber wenig erhellend und formell eintönig. So freizügig der Sproß konservativer kinoaffiger Kanadier sexuell ist, so bedeckt gibt sich die Privatperson angesichts der unaufhaltsamen Mainstream-Etablierung. Bekannt gemacht haben ihn seine Underground-Filme mit ihre anarchische Mischung aus Porno, Humor und sexuellen, politischen und ideologischen Tabus. Hustler White hat mittlerweile dank Mitwirkung eines Ex von Madonna Kultstatus, The Raspberry Reich und Otto – Up with Dead People liefen regulär im Kino. 

Underground, Counter oder Independent zu sein, ist schwer genug. Es zu bleiben unmöglich. Selbst pervers sein ist nicht einfach. Heutzutage sei jede Sexualität irgendwie pervers, beschreibt es ein Protagonist. So etwas wie eine „normale“ Sexualität definieren zu wollen, ist ohnehin absurd. „Everybody has a little porn in them.“ 

  • OT: The Advocate for Fagdom
  • Regie: Angelique Bosio
  • Drehbuch: Angelique Bosio
  • Produktionsland: Frankreich 
  • Jahr: 2010
  • Laufzeit: 92 min.
  • Cast: Bruce LaBruce, John Waters, Rich Castro, Gus van Sant, Glenn Belverio, Bruce Benderson
  • Beitragsbild © Berlinale / GMfilms