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Ben Foster & Chris Pine sind kleine Gaunerjungs mit dicken Colts in „Hell or High Water“

Ben Foster & Chris Pine sind kleine Gaunerjungs mit dicken Colts in „Hell or High Water“

Taylor Sheridans Südstaatendrama ist ein Gute-Nacht-Märchen für kleine große Jungs, die von konservativen Werten und überholten Rollenbildern träumen wollen.

Wie alle dieser albernen Männlichkeitsfabeln behauptet die mit Folk-Songs und Mythen vom rechtschaffenen Verbrecher verbrämte Geschichte, mehr als die schale Heroisierung reaktionärer Borniertheit zu sein. Doch die Versuche, zähe Dialoge und pathetische Ikonografie als tiefsinniges Charakterdrama auszugeben, sind so amateurhaft wie die Überfälle der Hauptfiguren. Die Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) Howard wirkt fast lächerlich in ihrem Vorgehen, das zwischen kindisch und psychopathisch changiert. Trotzdem sind ihre Raubzüge von Erfolg gekrönt, bis Regisseur David Mackenzie entscheidet, dass er genug wehmütig dreinblickende Männeraugen abgefilmt hat und es Zeit für den Showdown ist. Der Einzige, der sich bis dahin im desolaten West Texas für die Serie bewaffneter Banküberfälle interessiert, ist der kurz vor der Pensionierung stehende Marshall Hamilton (Jeff Bridges).

Er zieht über das indianisch-mexikanische Erbe seines Einsatzpartners (Gil Birmingham) her, aber das soll niemand als Rassismus sehen. Nein, das ist bloß die gute alte Cowboymanier, die manche einfach nicht verstehen. Die sexistische Linse, durch die Sheridan weibliche Figuren betrachtet? Im Bible-Belt-Idyll ist das ruppige Romantik. Ein rauer Witz von Tanner, dem Harten, ein Hundeblick von Toby, dem Zarten, und die Kellnerin und Rezeptionistinnen werden schwach. Die surreale Filmlandschaft voller staubiger Highways und müder Cowboys ist eine, in der jeden Moment James Brown los singen könnte: „It’s a man’s world“ – wenn Schwarze nicht verdächtig abwesend wären. Ein mexikanisch-indianischer Polizist ist offenbar das Maximum an Toleranzbelastung, dass die Filmemacher ihrem Zielpublikum zumuten wollen. Statt der soliden Besetzung realistische Charaktere zu geben, feilt die Inszenierung an der Legende vom unbeugsamen Kernland, Trumpland, wie es ein zeitgemäßeres Werk nannte.

Der gebürtige Schotte David Mackenzie trägt die Wild-West-Klischees so dick auf, dass es nach Satire schreit. Statt Selbstironie können die harten Kerle bloß pompös palavern. „Männergespräche“ sollen das sein. Von Bruder zu Bruder, Vater zu Sohn, Cowboy zu „Rothaut“. Dieser theatralische Revisionismus lässt die Gegenwartskulissen seltsam anachronistisch wirken. Rancher binden vorm Kiosk ihr Pferd an, Rinder blockieren den Highway und jeder wedelt wie ein übereifriger NRA-Rekrut mit der Knarre. Wenn das die Guten sind, wer sind dann die Bösen? Zur Antwort zeigt Hell or High Water mit dem Finger pauschal auf die Bank, buchstäblich. Subtilität und Differenzierung sind in dem Räuberepos ebenso Show wie die mit Botschaften gepflasterten Settings. Heuchlerische Sozialkritik ist von jeher die beste Tarnung des Establishments.

  • OT: Hell or High Water
  • Regie: David Mackenzie
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2016
  • Laufzeit: 103 min.
  • Cast: Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Katy Mixon, Marine Ireland, Gil Birmingham
  • Kinostart: 12.01.2017
  • Beitragsbild © Paramount Pictures Germany

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