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B-Movie Kult: George A. Romeros „Monkey Shines“

B-Movie Kult: George A. Romeros „Monkey Shines“

Für den nach einem Unfall querschnittsgelähmten Athleten Allan Mann (Jason Beghe) ist Ella die Rettung vor Depressionen. Für seine Krankenpflegerin Maryanne (Christine Forrest) hingegen ist sie „sein kleiner Dämon“. Steckt die Gefährtin, die Wissenschaftler Geoffrey (John Pankow) als Alltagsgehilfin mitbrachte, hinter den bizarren Todesfällen in Allans Umfeld? Die Frage beschleicht auch den Protagonisten, als seine tierische Mitbewohnerin menschliche Gefühle entwickelt. 

Heimliche Hauptfigur in George A. Romeros Horrorkuriosum ist ein Kapuzineräffchen. Die sind so flauschig und knuffig, dass man sie einfach gern haben muss. Besonders, wenn sie wie Ella obendrein musikalisch sind, ein unsympathisches Pärchen in dessen Liebesnest abfackeln oder eine herrische Seniorin (elektro)schocken. Ella, darauf trainiert ihrem Menschen das Leben zu erleichtern, erfüllt ihre Aufgabe einfach zu gut. Allans Klammermutter Dorothy (Joyce Van Patten) nutzt seine Behinderung, um ihn zu bevormunden, der arrogante Dr. Wiseman (Stanley Tucci) hintergeht ihn und Allans Freundin (Janine Turner) findet ihn nunmehr abstoßend. Allesamt vmalträtieren sie die Männlichkeit und strotzende Vitalität, mit der Allan anfangs protzt. Dass er dabei seinen verheerenden Unfall erleidet, ist nicht ohne Ironie. 

Doch abgesehen von solchen unfreiwilligen Zwischentönen spart die Adaption von Michael Stewarts Roman an schwarzem Humor und bissiger Zivilisationskritik. Die Produktion krankt an Einmischungen des Studios, das den Film eigenmächtig neu schnitt. Der süffisante Thriller gerät zum abstrusen Mix aus Wissenschafts- und Tierhorror, die in den Achtzigern eine Hochphase erlebten. So ermöglicht eine Hirnzellentransfusion eine Art telepathischer Verbindung zwischen Ella und ihrem Besitzer, der in seinen Alpträumen durch Affenaugen sieht. Die Warnung vor unterdrückten Trieben verkehrt sich in eine vor einer heimtückischen Natur, die den Menschen attackiert. Dabei entspringt der Schrecken nicht dem Bestialischen, sondern dessen Manipulation. 

Das wahre Opfer ist Ella, die ja nicht freiwillig im Labor zum Assistenzaffen abgerichtet wurde. Als Werkzeug Allans kriegt das clevere Tierchen die Quittung für seine unterdrückte Aggression. Die richtet sich erwartungsgemäß schließlich gegen sie, die ihn als einzige aufrichtig liebte und seine Genesung entscheidend unterstützt. Also, wer ist hier das Monster? Mensch oder Monkey?  Eindeutig die Studioverantwortlichen, die Romeros Vision zum kommerziellen Affentheater verpfuschten. 

  • OT: Monkey Shines
  • Regie: George A. Romero
  • Drehbuch: Michael Stewart, George A. Romero
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 1988
  • Laufzeit: 113 min.
  • Cast: Jason Beghe, John Pankow, Kate McNeil, Joyce Van Patten, Christine Forrest, Stephen Root, Stanley Tucci, Janine Turner, William Newman, Tudi Wiggins
  • Beitragsbild © Fox