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„Pet Sematary“: Seelenlose Reanimation halbverwester Genrerequisiten

„Pet Sematary“: Seelenlose Reanimation halbverwester Genrerequisiten

Der Unterhaltungsfaktor von Stephen Kings Romanvorlage ist nicht Grauen, sondern sardonische Freude am grotesken Untergang einer weißen konservativen Vorzeigefamilie, heraufbeschworen durch Ignoranz, Charakterschwäche und Selbstmitleid deren männlichen Oberhaupts. Diese düstere Komik verleiht dem kompromisslosen Ende ein subversives Potenzial, das Mary Lamberts Adaption geflissentlich überging. Dreißig Jahre später ist die Zeit überreif für eine hintersinnige Neuverfilmung, doch Kevin Kolsch und Dennis Widmyer Erweckungsversuch ist ähnlich krude und kontraproduktiv wie die des Hauptprotagonisten Louis Creed (Jason Clarke).

Der hat mit Gattin Rachel (Amy Seimetz) nicht nur nie über beider Glaubensdifferenzen geredet, sondern übersehen, dass ihr neues Familienheim an eine verfluchte Ureinwohner-Begräbnisstätte grenzt. Als er dank des alten Nachbarn Jud (John Lithgow) deren grausige Wiederbelebungsmacht an der überfahrenen Katze seiner neunjährigen Tochter Ellies (Jeté Laurence) erlebt, macht er davon ausgiebig Gebrauch. Denn Zombifizierung geliebter Verstorbener ist ja ein total naheliegender Entschluss. Unbeabsichtigte Lacher stehen spätestens mit Zombie-Katze Church vor der Tür.

Das Regie-Duo indes reanimiert fleißig weiter, sowohl die bereits in lebendem Zustand hirntot agierenden Protagonisten als auch halbverweste Genretropen. Kings Fundus an inhärenten Konfliktthemen – fortgeführte Kolonialverbrechen, repressive Tabuisierung, Verdrängung, zwanghafte Konfliktvermeidung, religiöse Doktrin – ignoriert der gleichgültige Plot zugunsten von Jump Scares, Geisterbahn-Szenenbildern und der Abwertung von Körperbehinderung als mit Bösartigkeit einhergehende Monstrosität, die das Motto „Manchmal ist tot besser“ implizit mit einbezieht. Diese verkappte Bigotterie gepaart mit Stil- und Phantasielosigkeit bliebe besser begraben. 

  • OT: Pet Sematary
  • Regie: Kevin Kolsch, Dennis Widmyer
  • Drehbuch: Stephen King, David Kajganich, Jeff Buhler
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 100 min. 
  • Cast: Jason Clarke, John Lithgow, Amy Seimetz, Naomi Frenette, Alyssa Brooke Levine, Hugo Lavoie, Jeté Laurence, Obssa Ahmed, Sonia Maria Chirila, Lucas Lavoie, Constance St-Denis-Veilleux, Bailey Thain, Jacob Lemieux
  • Kinostart: 04.04.2019
  • Beitragsbild © Paramount 
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