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Berlinale ’19: „The Operative“ zeigt Inkompetenz vor & hinter der Kamera

Berlinale ’19: „The Operative“ zeigt Inkompetenz vor & hinter der Kamera

Jeder Berlinale Wettbewerb hat ein inoffizielles Motto. Das waren bei der 63. Berlinale zum Beispiel Bärenfallen und bei der 65. Landschaft. Dieses Jahr ist es offenbar Hintergrundkommentar. Komplizierte Zusammenhänge szenisch umzusetzen war gestern. Viel einfacher ist doch, die Situation aus dem Off zu erklären. Besonders verlockend bei Filmen basierend auf Schriftwechseln wie By the Grace of God oder Romanen wie Out Stealing Horses und Yiftach Reicher Atirs The English Teacher. Die Vorlage zu Yuval Adlers Agenten-Soap sorgte vorab angeblich für Nervosität beim Mossad, der sich durch düpiert fühlte. Verständlich, denn wer nimmt einen Geheimdienst ernst, der Leute rekrutiert wie die Titelfigur?

Rachel (Diane Kruger) agiert den Großteil der unnötig verkomplizierten Handlung als wäre sie im falschen Film, nämlich Bad Spies. Warum ihr Ex-Kollege Thomas (Martin Freeman) sie als Spionage-Ass beschreibt, bleibt ein Rätsel – das einzige der spannungs- und ereignisarmen Chose. Garantiert wird irgendwer in irgendwo zu dem im Wettbewerb völlig deplatzierten TV-Filmchen schreiben, Rachel sei eine „starke Frau“ (bizarre Formulierung, schon mal gelesen, ein Filmcharakter sei ein „starker Mann“?). Dabei ist sie ein wandelndes Argument gegen Agentinnen. Die verfallen dem erstbesten Geschäftsmann (Cas Anvar), den sie aushorchen sollen, werden schwanger, werden beim illegalen Abtreibungsversuch erwischt und sind hinterm Steuer miserabel. 

Während Männer sich kloppen, ist Rachel Grabschern genauso hilflos ausgeliefert wie Fremdsprachen. Die Synopsis sag ihr Vielsprachigkeit nach, aber Rachel ist dauernd ahnungslos, auch was das Agentendasein angeht. Wenn beim Einsatz eine Unschuldige stirbt oder ihr Liebster aus den Nachrichten übersetzt, dass Bomben auch Menschen treffen, fällt sie aus allen Wolken. Die Top-Agentin reagiert mit Nervenzusammenbruch, Heulen, sich die Klamotten runterreißen wollen und beruhigt sich nur dank ihres herbeigeeilten männlichen Retters. Krugers flache Verkörperung dieser unfreiwilligen Parodie nervt besonders, da die Kamera an ihr klebt. Interessanteres als diese Personifikation von Inkompetenz gibt es in der faden Story auch nicht zu filmen. 

Möglich, dass Yiftach Reicher Atirs Romanvorlage auf nervenzerfetzenden Ereignissen aus seiner eigenen Geheimdienstzeit basiert. Auf der Leinwand ist davon nichts zu sehen. Stattdessen verwandeln ungelenke Expositionsdialoge und Hintergrundkommentare den Kino- in einen Schlafsaal. Aus dem Off werden die Anforderungen des Lebens unter falscher Identität mit Küchenpsychologie erläutert. Die überforderte Schauspielriege darf in der Zwischenzeit Anspruchsloses machen: im Café sitzen, über den Markt schlendern oder, falls das alles zu aufregend ist, der Klassiker: mit vagem Blick schauen.

  • OT: The Operative
  • Regie: Yuval Adler
  • Drehbuch: Yuval Adler, Yiftach Reicher Atir
  • Produktionsland: USA, Israel
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 120 min. 
  • Cast: Diane Kruger, Martin Freeman, Cas Anvar, Werner Daehn, Ohad Knoller, Liron Levo, Hadi Khanjanpour, Julia Schneider, Maria Gnecchi, Daniel Wandelt, Erez Ben-Ezra
  • Beitragsbild © Berlinale / Weltkino
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