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Berlinale ’19: „Mothers of the Land“ – Säerinnen des Lebens

Berlinale ’19: „Mothers of the Land“ – Säerinnen des Lebens

Im Permafrostboden Svalbard werden nie Kartoffelpflanzen wachsen. Doch hier lassen die Frauen die Samen der uralten Pflanzensorten ihres Heimatlandes. Peru ist einer der Orte, die der Klimawandel am stärksten treffen wird. Die Bäuerinnen beobachten die Veränderungen seit Jahrzehnten und haben den Weg nach Spitzbergen unternommen, um im Global Seed Vault die kostbaren Samen zu schützen. Es sei, als ob eine Mutter ihr Kind zurückließe, sagt eine der Landwirtschafterinnen, deren Arbeit und Wissen der Kern von Alvaro und Diego Sarmientos dokumentarischer Hommage ist. Frauen haben laut den Überlieferungen der Andenvölker zur Erde eine besondere Verbindung, die der mythische Rahmen der Handlung wird.

Trotz jenes spirituellen Hintergrundes werden die Protagonistinnen nicht in folkloristische Schablonen gepresst, sondern repräsentieren eine autarke Vereinigung überlieferten Naturverständnisses und moderner Fachkenntnis. Ihre Rückbesinnung auf traditionelle Anbau- und Ernährungsweisen geschieht vor dem düsteren Hintergrund gesellschaftlicher und politischer Abkehr davon. Die wenigsten Kunden sind bereit, für biologische Kartoffeln und Quinoa mehr auszugeben, selbst wenn gespritztes Essen die eigene Gesundheit kostet. „Die Bereitschaft der Konsumenten sich um ihre Ernährung zu kümmern hängt direkt mit ihrer Brieftasche zusammen“, bemerkt eine der Bäuerinnen, deren täglicher Einsatz für eine bessere Zukunft letztlich vergebens ist. Die dokumentarische Würdigung ist zugleich melancholisches Epitaph einer im Untergang begriffenen Lebensweise.

  • OT: Sembradoras De Vida
  • Regie: Alvaro Sarmiento, Diego Sarmiento
  • Drehbuch: Alvaro Sarmiento, Diego Sarmiento, Annemarie Gunkel
  • Produktionsland: Peru
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 75 min. 
  • Beitragsbild © Berlinale
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