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Berlinale ’19: „Beloved“ findet stille Poesie im Leben einer Berghirtin

Berlinale ’19: „Beloved“ findet stille Poesie im Leben einer Berghirtin

Süßes Leid nennt Firouzeh ihr Dasein in den Bergen Mazandarans. Die entlegene Region im Norden Irans ist die Heimat der 82-jährigen Protagonistin, doch ihr Zuhause ist die Hütte auf dem Berg. Dort lebt sie mit ihren Kühen, die sie genauso zu behüten scheinen wie die alte Frau die Tiere behütet. Eines der Tiere zu verkaufen, um eines ihrer 11 Kinder finanziell zu unterstützen, bricht ihr schier das Herz. Doch Kummer ist die Protagonistin von Laser Talebis lyrischer Betrachtung gewohnt. Die schmerzlichen Erfahrungen eines harten Lebens, von dem sie beim Tagwerk ohne Eitelkeit und Selbstmitleid erzählt, haben sie verhärmt, aber nicht verhärtet. 

Jahrzehnte körperlicher Schwerarbeit haben ihre Statur gebeugt, doch ihre Resilienz und Kraft sind bewundernswert. Eine stille Hochachtung liegt in den malerischen Bildern der Kamera, die zwischen Firouzeh, ihren tierischen Gefährtinnen und der eindrucksvollen Naturwelt herumwandert. Die intime Persönlichkeitsstudie erweckt durch zurückhaltende Beobachtung einen Eindruck davon, wie sich in der Einsamkeit idyllische Schönheit und harsche Daseinsbedingungen verbinden. Ein Jahr wird zum Sinnbild eines ganzen Menschenlebens. Jeder Handgriff des Alltags aus Viehversorgung, Buttern und Käserei hat etwas von einem Abschiedsritual. Bezaubernde Bilder voller Trauer und leise Poesie verschmelzen zum enigmatischen Porträt einer Frau, die am Ende ihres Daseins unbeirrbar ihrem Weg treu bleibt.

  • OT: Delband
  • Regie: Yaser Talebi
  • Drehbuch: Yaser Talebi
  • Produktionsland: Iran
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 61 min. 
  • Beitragsbild © Berlinale 
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