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Berlinale ’19: „Aruna & Her Palate“ – Liebe schlägt auf den Magen

Berlinale ’19: „Aruna & Her Palate“ – Liebe schlägt auf den Magen

Die vorgebliche Lehre der sirupsüßen Verfilmung von Laksmi Pamuntjaks Liebesroman „The Birdwoman’s Palate“ würgt Regisseur Edwin einem bereits in der Eröffnungsszene rein. Da kocht die naive Titelfigur (Dian Sastrowardoyo) Ochsenschwanzsuppe und sinniert über anderer Menschen Einstellung zum Essen: Einige meinten, ein besonderes Gericht sollte mit der richtigen Person gegessen werden (Ochsenschwanzsuppe ist ja besonders – ekelig). Aber, fragt sich Aruna, wieso zögern, wenn sie sofort die Köstlichkeit genießen könne? Weisheit auf dem Niveau eines T-Shirt-Aufdrucks: Das Leben ist zu kurz, um mit dem Essen zu warten. 

Hier könnte der Abspann laufen, denn intelligenter oder unterhaltsamer wird es nicht in der abgeschmackten Brühe aus Rom-Com, Road-Movie, Food Porn und Seuchen-Thriller (mampft Aruna nicht fetttriefenden Snacks, ermittelt sie Vogelgrippefälle – na lecker). In der Metapher Arunas, die regelmäßig die vierte Wand durchbricht, meint Essen eindeutig: Sex. Der ist allerdings Tabu in der blütenreinen oberprüden Prestigeproduktion, weshalb die Darsteller jeden Ansatz romantischen Knisterns oder gar erotischer Spannung rabiat ersticken. Dass die Reisepartner mehr als Kollegialität füreinander empfinden, ist kaum vorstellbar, soll aber so sein. 

Das ist in der verklemmten Seifenoper der einzige Witz. Zum Lachen reicht es trotzdem nicht. Dazu ist die Story zu verlogen, die Inszenierung zu schleimig und der Humor zu aufgesetzt. Unterbrochen von Speisepräsentationen im Koch-Show-Stil lehrt der Plot das Gegenteil von Aruna Genussprinzip. Geduldig wird auf den Richtigen gewartet. Kein Wunder, dass sich die Heldin, ihr Schwarm Farish (Oka Antara), ihr Chefkoch-Kumpel Bono (Nicholas Saputra) und Restaurantkritikerin Nad (Hannah Al Rashid) bei Essgelagen Ersatzbefriedigung suchen. Die ominösen Vogelgrippe-Ausbrüche schlagen keinem auf den Magen.

Nicht alle Lebensmittel müssen diskutiert werden.

Aruna

Weiter geht die fröhliche Tour zu den kunterbunten kulinarischen Hotspots. „Essen kommt an erster Stelle“, konstatiert Bono. Außerdem sollen Kranke nicht meckern! Noch nie was von Gottes Plan gehört? „Krankheit ist ein Segen Gottes. Ich verstehe Leute nicht, die so ein Schicksal ablehnen“, lehrt Edwin. Dessen Publikum vergeht aufgrund mangelnder Würze und künstlicher Süße längst der Appetit. Einen Haufen billiger Standardzutaten zusammenwerfen reicht eben nicht, damit Genießbares rauskommt. Die austauschbaren Lobgesänge auf Street Food nerven schließlich selbst Foodies. Wie Nad treffend bemerkt: „Nicht alle Lebensmittel müssen diskutiert werden.

Nicht, dass ihn jemand vermisst hätte, aber Edwin kehrt trotzdem zur Berlinale zurück. Seine abgedroschene Hommage an die Heimatküche und das Hormonchaos einer Clique Mittdreißiger übersättigt mit werbewirksam inszenierten Gerichten genauso wie den Seitenkommentaren der infantilisierten Hauptfigur. Wie deren Ex-Kollege einmal bemerkt: „Manchmal sind gewöhnliche Dinge einfach nur gewöhnlich.“ Wohl wahr.

  • OT: Aruna & Lidahnya
  • Regie: Edwin
  • Drehbuch: Titien Wattimena, Laksmi Pamuntjak
  • Produktionsland: Indonesien 
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 106 min. 
  • Cast: Dian Sastrowardoyo, Oka Antara, Hannah Al Rashid, Nicholas Saputra
  • Beitragsbild © Berlinale
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