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Berlinale ’19: „Daniel“ verniedlicht präpubertäre Pädo-Impulse

Berlinale ’19: „Daniel“ verniedlicht präpubertäre Pädo-Impulse

Wie viele Menschen schauen einen Kinderfilm, bevor er auf einem Festival uraufgeführt wird? Da sind zuerst die Mitglieder des Produktionsteams, dann die Eltern der mitwirkenden Kinder und schließlich Kuratoren, die entscheiden, was in welchem Rahmen gezeigt wird und dadurch eine dankbare öffentliche Bühne erhält. Gut möglich, dass noch wesentlich mehr Personen vorab ein Produkt wie Marine Atlan als „ihr erster Langfilm“ angekündigtes 1-Stunden-Werk sichten. Hat sich niemand an einem Projekt gestört, das kindliche Nacktheit als erotisches Spektakel präsentiert und vorpubertäre Körper auf laszive Weise sexualisiert? Hat niemand unter den Eltern die Beteiligung ihrer Kinder an einem derartigen Fabrikat überdacht?

Was bewegt Kuratoren, eine solche Produktion auf ein A-List-Festival einzuladen? Noch dazu ins Kinderprogramm? Fragen über Fragen, die Atlan mit ihrem Spielfilmdebüt aufwirft, und von denen sie nach der Premiere hoffentlich einige beantworten müssen wird. Eines klärt ihr im doppelten Sinne mit symbollastigem Theater überfrachtetes Grundschulstück jedenfalls: wie viel grenzüberschreitende Exposition und übergriffige Vorführung in 60 Minuten passen. Da wird das Umkleiden der kleinen Marthe (Madeleine Follacci) zum ätherischen Striptease, den der 10-jährige Titelcharakter (Theo Polgar) aus dem Verborgenen lüstern verfolgt. Die Szene zeigt kein romantisches Erwachen, sondern ist eine mit minderjährigen Akteuren besetzte Erwachsenenphantasie in Softporno-Optik.

Jene weichgezeichneten Nahaufnahmen stehen im Kontrast zur tristen Schulkulisse und der aggressiven Atmosphäre nahender Bedrohung und allgegenwärtigen Todes. Terror & Death als Teaser pädophiler Begierde; fehlt nur noch die passende gesellschaftspolitische Botschaft. Diese richtet sich dezidiert an Kinder, denen der perfide Plot das Einmaleins repressiver Mythen predigt: Zudringlichkeit ist Zuneigung, Belästigung ein Kompliment. Grenzverletzungen sind harmlos, wer davon berichtet, ist eine Petze. Täter handeln aus Liebe und sind die wahren Opfer, sofern sie wie Daniel erwischt werden. Ruft Marthe „Lass mich in Ruhe!“, lächelt sie schelmisch, denn „Nein!“ heißt bekanntlich „Ja“. Solche Positionen sind nicht „provokant“ oder „kontrovers“, sondern gefährlich – besonders für das Zielpublikum. 

Gebetet in handwerklich passable Bilder von ahnungsvoller Düsterkeit und Kälte erstellt Marine Atlan eine obszöne Allegorie, die sexuelle Gewalt verharmlost und Übergriffigkeit gegen Kinder normalisiert. Die Sympathien in der Inszenierung liegen klar beim Täter, aus dessen Sicht die Ereignisse erzählt werden. Das Opfer wiederum wird zum heimlichen Komplizen und genießt die Aufmerksamkeit, sowohl des Täters als auch emphatischer Mitschüler. Dazu gibt es aufreizende Szenen entblößter Protagonisten im Grundschulalter, die suggestive Blicke in die Kamera senden. Manche Filme sind schlecht – der hier ist mehr, er ist einfach falsch. 

  • OT: Daniel fait face 
  • Regie: Marine Atlan
  • Drehbuch: Marine Atlan
  • Produktionsland: Frankreich
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 60 min. 
  • Cast: Théo Polgar, Madeleine Follacci, Tristan Bernard, Aurélien Gabrielli, Emmanuelle Cuau, Michelle Laudet
  • Beitragsbild © Berlinale 
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