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Kalkulierter Kitsch + bekannte Schaupsieler + konservative Klischees = „Instant Family“

Kalkulierter Kitsch + bekannte Schaupsieler + konservative Klischees = „Instant Family“

Eine abendfüllende Aneinanderreihung von Pep Talks und Inspirational Quotes könnte nicht heuchlerischer sein als Sean Anders’ zuckerige Familienkomödie. Statt Abgründe eines überlasteten Sozialapparats und groteske Auswüchse der Adoptionsvermittlung vorzuführen, gefällt sich die generische Story in bornierter Publikumsbelehrung. Das von der ersten Szene an absehbare Happy End gibt es als Belohnung fürs brave Abnicken realitätsferner Simplifikation und bourgeoiser Selbstverherrlichung. Wen es wundert, dass Ellie (Rose Byrne) und Pete Wagner (Mark Wahlberg) perfekte Wunscheltern sind: Die heiligengleichen Helden stehen für Anders und Gattin, die selbst Kinder adoptierten. 

In reicher weißer Heteronormativität werden die unbändigen Sprösslinge cracksüchtiger hispanischer Single-Mütter zu beispielhaften College-Kids, verheißt die unterliegende Botschaft. Die seichte Handlung schiebt Problembewusstsein und Sensibilität brüsk beiseite, damit Platz ist für holprige Gags auf Kosten der Adoptivkinder. Deren Traumata werden zu Running Gags, die als definierende Charaktereigenschaft (für mehr als eine pro Kind reichte die Phantasie des Drehbuchautoren-Duos nicht) fungieren. Vorurteile wie das vom emotional geschädigten Psychofall werden erst scheinaufgeklärt vernein und dann ostentativ bestätigt. Sämtliche Probleme löst eine Extraportion aufgezwungener Liebe.

Dass Elternliebe adoptierten Kindern auch gegen deren erklärten Willen aufgenötigt werden müsse, ist nur eine der dubiosen Lehre jener Hymne auf die edelmütige Sozialverantwortung der weißen Oberschicht. Sämtliche weibliche Charaktere beherrscht der Muttertrieb, der einzig bei einem Hassbild der kaltherzigen Karrieretussi verhöhnt wird. Hinter dem manipulativen Kitsch und krudem Humor (haha, sexueller Missbrauch) wuchern selbstgenügsame Arroganz und elitäre Voreingenommenheit. Der Originaltitel verweist unabsichtlich auf die Formelhaftigkeit der ebenso herz- wie einfallslosen Fließbandproduktion. Die ist ein fader Fertigmix aus verlogener Gefühlsduselei, konservativen Familienkonzepten und kommerziellem Kalkül.

  • OT: Instant Family
  • Regie: Sean Anders
  • Drehbuch: Sean Anders, John Morris
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018 
  • Laufzeit: 119 min. 
  • Cast: Mark Wahlberg, Rose Byrne, Isabela Moner,Margo Martindale, Julie Hagerty, Tig Notaro, Octavia Spencer, Julianna Gamiz, Gustavo Quiroz, Tom Segura, Allyn Rachel, Michael O’Keefe, Jody Thompson, Gary Weeks, Andrea Anders, Eve Harlow
  • Kinostart: 24.01.2019
  • Beitragsbild © Paramount Pictures
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