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„Ralph Breaks the Internet“ is calculated consumerism posing as cute coolness

„Ralph Breaks the Internet“ is calculated consumerism posing as cute coolness

Selbstdarstellung posiert als Selbstironie und Product Placement als Panlogismus in dem an erzählerischer Phantasie und visueller Originalität traurig armen Sequel. Mit dem wollen Phil Johnston und Rich Moore sechs Jahre nach ihrem 3D-Animationshit Wreck-It Ralph die Einnahmen maximieren. Der kommerzielle Fokus prägt jede der detailversierten Szenen. Deren Summe ergibt nicht das angekündigte Freundschaftsabenteuer, sondern einen bombastischen Werbeclip. Populäre Charaktere, amüsante Alltagsreferenzen und eine generische Dramatik, verquirlt mit der altbewährten Träume-werden-wahr-Botschaft, fungieren an erster Stelle als Teil der einer durchkalkulierten Reklamestrategie.

Dessen Omnipräsenz überschattet jeden Anflug von Emotionen und Humor, die so aufgesetzt und manipulativ sind wie die unausgereifte Story. Darin erkunden Vanellope von Schweetz (Sarah Silverman) und Ralph (John C. Reilly) das frisch an ihr Arcade-Zuhause angeschlossene Internet. Selbiges imaginieren die Regisseure als knallbuntes Wunderland spannender Erfahrungen, toller neuer Freunde und lebensrettender Chancen. Eine personifizierte Phishing-Seite verhilft den Helden zu schnellem Reichtum, Clickbait dient einem guten Zweck und Spam ist willkommener Helfer. Verständlich, dass die von ihrem altmodischen Rennspiel gelangweilte Vanellope bleiben will.

Jede Station des actionreichen Trips durch die Schöne Neue Web-Welt dient statt der Figurenentwicklung als Plattform fragwürdiger Unternehmen wie Amazon, Ebay und YouTube. Herz der unreflektierten und selten einfallsreichen Kino-Kaffeefahrt ist Disney, dessen Merchandising die narzisstische Nomenklatur dominiert. Schönfärberei und Ignoranz ersetzen Differenzierung und angebrachte Skepsis. Gefährlich sind höchstens Viren, aber Prinzessinnen wie Vanellope müssen ja schließlich vor irgendwas gerettet werden. Alles ist grundgut im digitalen Disneyland, wo blaue Vögelchen statt Trump-Tweets Katzenvideos zwitschern und Mediensatire nur ein Synonym ist für Marketing. 

  • OT: Ralph Breaks the Internet 
  • Regie: Phil Johnston, Rich Moore
  • Drehbuch: Phil Johnston, Jim Reardon, Pamela Ribon
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 112 min. 
  • Cast: Mandy Moore, Kristen Bell, Kelly Macdonald, Auli’i Cravalho, Alan Tudyk, John C. Reilly, Taraji P. Henson, Ming-Na Wen, Sarah Silverman, Idina Menzel
  • Kinostart: 24.01.2019
  • Beitragsbild © Walt Disney 
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