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„The House That Jack Built“: inszenatorisch wackelig, intellektuell marode

„The House That Jack Built“: inszenatorisch wackelig, intellektuell marode

Nichts fasziniert Lars von Trier mehr als Lars von Trier. Unvermeidlich scheint da, dass sich des Möchte-gern-Provokateurs jüngstes Werk bis zum Erbrechen und zur absoluten Ermüdung um exakt dieses Subjekt kreist wie eine Fliege um einen Scheißhaufen. Die spannendste Frage reduziert sich darauf: Schwirrt er ab oder setzt er sich voll rein? Nach zweieinhalb Stunden, die an Morde von Dahmer, Bundy und Gein angelehnte Intermezzi vorführen, lautet die ernüchternde Antwort: weder noch. Zum Eklat fehlt die Konsequenz, zur Kunst die Inspiration und zum Psychothriller das Handwerksgeschick. 

Den zweigleisigen Plot unterbrechen Titelkarten, die einen nach dem anderen „von 12 Vorfällen“ abzuzählen verkünden, dann aber rasch ihre Kohärenz zur öfter banalen als blutigen Handlung einbüßen. Ist die willkürliche Kapitelunterteilung ein Relikt der TV-Serie, als welche die selbstanalytische Serienkiller-Sitcom ursprünglich gedacht war? Oder hat der Filmemacher im Nebel der Selbstbeweihräucherung schlicht den Überblick verloren wie der von Zwangsneurosen geplagte Hauptcharakter? Jack (fabelhaft: Matt Dillon) agiert in seinem von Tiefkühlleichen und -pizzen übervollen Gefrierschrank schließlich ähnlich überfordert wie von Trier inmitten von Kunst-, Geschichts- und Selbstreferenzen.

Letzte wirken reichlich deplatziert neben Bezügen zu William Blake, Glenn Gould und Dante, dessen „Göttliche Komödie“ der Handlungsrahmen glossiert. Beim Höllenabstieg kauen Jack und sein Geleitsmann Verge (aka Vergil: Bruno Ganz) endlos Allgemeinplätze über die Theorie von Mord als Kunstwerk wieder. Statt roter Dante-Robe trägt Jack Bademantel. Amüsanter ist in jenem Pappmaché-Inferno die immense kunsthistorische Bedeutung, die von Trier seiner filmischen Nabelschau voll beiläufiger Misogynie, platter Philosophisterei, kalkulierter Ekeleffekte und einem vom auffälligerweise nie erwähnten De Quincey abgeguckten Leitmotiv mittels plakativer Parallelen zuspricht.

  • OT: The House That Jack Built
  • Regie: Lars von Trier
  • Drehbuch: Lars von Trier
  • Produktionsland: Dänemark, Frankreich, Schweden, Deutschland  
  • Jahr: 2018 
  • Laufzeit: 155 min. 
  • Cast: Matt Dillon, Bruno Ganz, Uma Thurman, Riley Keough, Ed Speleers
  • Kinostart: 29.11.2018
  • Beitragsbild © Concorde
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