#movie #review #cinema #critic #film #festival #podcast

Wenigstens ist die Agatha-Christie-Adaption „Crooked House“ nicht so mies wie „Orient Express“ …

Wenigstens ist die Agatha-Christie-Adaption „Crooked House“ nicht so mies wie „Orient Express“ …

Agatha Christie betrachtete ihr makaberes Kammerspiel unter ihrem umfangreichen Schaffen als eines ihrer Lieblingswerke. Leider gilt das nicht für Gilles Paquet-Brenner, der weder die morbide Atmosphäre noch die psychologische Ambiguität des Originalplots erfasst. Sein vor opulenter Kulisse drapierter Mystery-Krimi gerät mehr zur unfreiwilligen Parodie klassischer Whodunits denn zu der glanzvollen Hommage, die augenscheinlich intendiert war. Das renommierte Ensemble bemüht sich vergeblich um die Belebung von Figuren, die der Regisseur und Co-Drehbuchautor zu grotesken Abziehbildern mit Sparwitzauftrag degradiert. Das wahre Mordopfer ist die Romanvorlage.

Letzte trägt pikanterweise ähnlich abgründige Züge wie der verblichene Aristide Leonides. Seine sadistische Egozentrik, wiederholt als Ursache der pathologischen Konstellation in dem düsteren Familiensitz benannt, ist nur einer der spannenden Handlungsaspekte, die zugunsten hinzu konstruierter Randepisoden ignoriert. Spionageverwicklungen um Enkelin Sophia Leonides (Stefanie Martini) und Privatdetektiv Charles Hayward (Max Irons) laufen ebenso ins Leere wie Charles komplizierte Beziehung zu Scotland Yard. Die mit holpriger Dramaturgie vergeudete Zeit fehlt zur Entwicklung der bizarren Charaktere, dem ursprünglichen Zentrum der Story. Diese ist weniger routinierte Mördersuche als psychopathologische Fallstudie.

Deren Präzision unterminieren der Kriminalautorin eigene Xenophobie, Klassenvorurteile und krude Konzeption von genetischer Degeneration sowie deren unumgänglicher rabiater Korrektur. Diese im auf der Leinwand aberwitzig inszenierten Ausgang vollzogene Haltung steht in eigentümlichem Widerspruch zur impliziten Kritik an der herablassenden Selbstherrlichkeit, die Ermordeter und Mörder teilen. Doch für derartige dramaturgische Komplexität fehlt dem trivialen Kostümkino die Raffinesse, ebenso wie das aufgeplusterte Schmierentheater Suspense und Subtilität vermissen lässt. Der penetrante Soundtrack ist charakteristisch für die zweite Adaption nach Murder on the Orient Express, die mit Bombast scheitert. 

  • OT: Crooked House
  • Regie: Gilles Paquet-Brenner
  • Drehbuch: Julian Fellowes, Agatha Christie, Gilles Paquet-Brenner, Tim Rose Price
  • Produktionsland: UK
  • Jahr: 2017
  • Laufzeit: 115 min. 
  • Cast: Max Irons, Stefanie Martini, Glenn Close, Honor Kneafsey, Christina Hendricks, Terence Stamp, Julian Sands, Gillian Anderson, Christian McKay, Amanda Abbington
  • Kinostart: 29.11.2018
  • Beitragsbild © Fox
This piece first appeared …