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The notorious „RBG“ can’t life up to the legacy of trailblazing Ruth Bader Ginsburg

The notorious „RBG“ can’t life up to the legacy of trailblazing Ruth Bader Ginsburg

Titel und Bildsprache von Julie Cohens und Betsy Wests glühender Hommage vertrauen zu sehr auf den ikonischen Status der Protagonistin in ihrem Heimatland, dessen Justiz entscheidend von Ruth Bader Ginsburgs liberalem Denken und entschlossenem Wirken profitierte. Faszinierender als die untypische Medienpräsenz und Prominenz der zum Zeitpunkt des Drehs 84-jährigen Richterin ist ihr Weg an die Spitze des amerikanischen Rechtssystems in den Supreme Court. Dorthin gelangte die in einfache Verhältnisse in Brooklyn geborene Vorkämpferin für Gleichberechtigung und Bürgerrechte im Jahr 1993 erst als zweite Frau.

Die Vorreiterrolle der ersten Supreme Court Richterin Sandra Day O’Connor bleibt unergründet, genauso wie Ginsburgs beschwerliche Karriereanfänge. In einer Ära, die Frauen per Gesetz eine dem Ehemann untergeordnete häusliche Rolle zuwies, strebte sie als verheiratete Mutter eine juristische Laufbahn an. Der Erfolg dieses in den 50er Jahren unerhörten Entschlusses erscheint auf dem umfangreichen Archivmaterial schlicht Verdienst unermüdlicher Arbeit. Doch selbst zahlreiche Interviews mit Wegbegleitern erklären nicht, wie die brillante Universitätsabsolventin die gesellschaftlich gestützte Intoleranz überwand. Dem Anschein nach vorrangig dank der treuen Unterstützung ihres Gatten.

Die 56-jährige Ehe der unerschrockenen Verteidigerin und Erstreiterin von Grundrechten, die keineswegs gefestigt sind, ist Kernthema eines unvollständigen Porträts. Es blendet mit ideologischen Widersprüchen wie ihrer Freundschaft zum reaktionären Kollegen Antonin Scalia eine Reihe ihrer spannenden und aufschlussreichen Wesensfacetten aus. Paradoxerweise gehorcht die dramaturgische Fokussierung auf Familiäres einem etablierten sexistischen Narrativ, welches Männer über ihr Schaffen, Frauen hingegen über Liebesbeziehungen definiert. Ginsburgs inspirierender Gerechtigkeitssinn verblasst in einer ernüchternd konventionellen Inszenierung, der nicht nur die Konsequenz der Titelfigur fehlt, sondern vor allem deren beispielhafte Progressivität.

  • OT: RBG
  • Regie: Julie Cohen, Betsy West
  • Drehbuch: Julie Cohen, Betsy West
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 97 min. 
  • Cast: Ruth Bader Ginsburg, Jane Ginsburg, James Steven Ginsburg, Nina Totenberg, Clara Spera, Gloria Steinem
  • Kinostart: 13.12.2018
  • Beitragsbild © Koch Films 
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