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Jafar Panahi inszeniert „Drei Gesichter“ und keine Geschichte

Jafar Panahi inszeniert „Drei Gesichter“ und keine Geschichte

Gab es in Taxi noch eine eigensinnige Mischung aus kreativem Widerstandsgeist und individueller Systemkritik, die den Goldenen Bären auf der Berlinale 2015 verdienten, so erscheint der diesjährige Drehbuchpreis für Jafar Panahis jüngstes Werk in Cannes als pauschale Geste. Zu unentschlossen, zu richtungslos ist das dahinplätschernde Road Movie, mit dem der iranische Filmemacher zum vierten Mal das 2010 verhängte 20-jährige Berufsverbot umfährt. Der mit dem Handy gedrehte Auftakt bleibt sowohl inszenatorisch als auch dramatisch der bescheidene Höhepunkt einer Geschichte, deren gesellschaftspolitische Motive in Ansätzen verkümmern. 

Ein mühsam artikulierter Kommentar zum Einfluss der modernen Medienlandschaft auf selbst den entlegensten Provinzort kann den Mangel an Inhalt und Dramatik nicht aufwiegen. Der erzwungene Minimalismus, der die experimentelleren Filmprojekte anspornte, blockiert den vergleichsweise konventionellen Plot. Dessen Stärke ruht in nostalgischen Beobachtungen der Eigentümlichkeiten seiner Herkunftsregion und dem präzisen Spiel von Hauptdarstellerin Behnaz Jafari. Ihre Anteilnahme am Schicksal der um einen Berufsweg als Schauspielerin kämpfenden Marziyeh (Marziyeh Rezaei) sowie dem einer von der Dorfgemeinschaft ausgestoßenen Altschauspielerin vermittelt vage ein Ideal von generationsübergreifendem Zusammenhalt unter Künstlerinnen. 

Sie erscheinen in ihrer Suche nach eigenen Lebenswegen raus aus dem Hinterland und der damit assoziierten Rückständigkeit zuverlässiger denn die zum Hauptschauplatz erkorenen Landstraßen. Zweite symbolisieren die fundamentalistische Geisteshaltung, die dem Protagonisten-Duo begegnet. Eine Erweiterung – der Denk- oder Fahrbahn – wird dennoch ausgeschlossen. Erst recht seitens einer Frau wie Marziyeh, die schon selbst beherzt zum Spaten griff. Die simplifizierende Symbolik wirkt anbiedernd und aufgesetzt angesichts der konstitutiven Rolle Panahis hinter der Kamera und davor, wo Jafari und ihre trotzige Adeptin „ihren Weg“ lediglich nach seinen Vorgaben gehen.

  • OT: Se Rokh
  • Regie: Jafar Panahi
  • Drehbuch: Jafar Panahi
  • Produktionsland: Iran
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 100 min. 
  • Cast: Jafar Panahi, Behnaz Jaffari, Maedeh Erteghaei, Narges Delaram, Marziyeh Rezaei
  • Kinostart: 26.12.2018
  • Beitragsbild © Weltkino
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