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„Assassination Nation“ bedient alle, denen „The Crucible“ zu kompliziert & „The Purge“ zu umambitioniert ist

„Assassination Nation“ bedient alle, denen „The Crucible“ zu kompliziert & „The Purge“ zu umambitioniert ist

Die doppelbödige Prämisse hat Sam Levinsons pseudo-provokante Medienstatire von Arthur Miller. Dessen The Crucible – seinerseits eine beißende Allegorie der USA unter McCarthy – ist Blaupause des exemplarischen Amoklaufs in einer Hochburg des Trump-Amerika mit dem Nomen-est-Omen Salem. Dort driften Lily (Odessa Young) und ihre Freundinnen Sarah (Suki Waterhouse), Bei (Hari Nef) und Em (Abra) durch ihr privilegiertes Dasein zwischen Teenage-Angst und Twitter, während eine die jungen Protagonistinnen physisch abtastende Kamera die vorbuchstabierte Empowerment-Botschaft mit maximaler Selbstgerechtigkeit und minimaler Selbsterkenntnis karikiert.

Als Hacker Er0str4tus, dessen Deckname dem Publikum vorhält, dass der Regisseur und Drehbuchautor sogar ein bisschen griechische Geschichte kennt, das Privatleben der Einwohner publiziert, wendet sich die Mob-Mentalität gegen Lily und ihre Clique. Um ihre unilaterale Botschaft einzuhämmern, reanimiert die Inszenierung den maskierten Vigilantismus aus The Purge, dessen stilistische Einflüsse so offenkundig sind wie die des Sukeban-Kultsreifens Nora-neko rokku: Onna banchô. Den gucken die Mädchen, bevor sie ihren eigenen Mob rekrutieren. Seine adaptierte Warnung vor medial motivierter Gruppendynamik ignoriert Levinson da bequem.

Kein Stilmittel wirkt authentisch, am wenigsten die sozialkritische Relevanz vorgaukelnden Themen. Zwanghaft hipper Slang kritisiert Dauersexualisierung, während der Plot sie praktiziert: Mädchenkörper werden amateurpornografisch in Szene gesetzt, konkreter, setzen sich in Szene. Wenn junge Frauen objektiviert werden, dann – so die klare Haltung- weil sie das eigenhändig und eigenständig initiieren. Authentizität und Originalität vermitteln einzig Odessa Young, die elektrisierenden Debüts von Abra und Hari Nef sowie Rachel Dainer-Bests Kostüme – das Beste an einem Film mit der gleichen Motivation wie der herostratische Hacker: „For the LOLZ“.

  • OT: Assassination Nation
  • Regie: Sam Levinson
  • Drehbuch: Sam Levinson
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 110 min. 
  • Cast: Odessa Young, Hari Nef, Suki Waterhouse, Abra, Colman Domingo, Bill Skarsgård, Joel McHale, Anika Noni Rose, Bella Thorne, Maude Apatow, Cody Christian, Danny Ramirez, Susan Misner, Kelvin Harrison Jr., Noah Galvin
  • Kinostart: 15.11.2018
  • Beitragsbild © Universum
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