#movie #review #cinema #critic #film #festival #podcast

Poor little rich bitches: „Crazy Rich Asians“ ist dramaturgisch bankrott

Poor little rich bitches: „Crazy Rich Asians“ ist dramaturgisch bankrott

Arme Superreiche! Sie lümmeln melancholisch auf Massagebänken im Insel-Spa, kuscheln sich schniefend in Pelzdecken und weinen Infinity-Pools voller Tränen, weil sie an Status, Reichtum und Reputation so viel schwerer tragen als die unbeschwerte Mittelschicht. Mittelschicht – gibt‘s die überhaupt noch? Muss wohl, denn ihr entstammt die brave Wirtschaftsprofessorin Rachel Chu (Constance Wu). Die chinesischstämmige Amerikanerin und Uni-Kollege Nick Young (Henry Golding) wären das Traumpaar jedes Gegners ethnischer Vermischung, allerdings nicht das von Nicks Mama Eleanor (Michelle Yeoh). Die eiskalte Matriarchin eines Finanzadels-Klans will für Thronerbe Nick eine bessere Partie.

Zum noch härteren Schicksalsschlag als der unermessliche Wohlstand ihres Zukünftigen wird für die US-Unschuld dessen exaltierte Sippe, der sie beim Besuch in Nicks Heimat Singapur erstmals gegenübersteht. Fast zwei Stunden lang ringt die herzensgute Heldin vor Reiseprospekt-Kulissen mit den bohrenden Blicken und schnippischen Antworten der Shiny Crappy People. Die überdrehte Eifersüchtelei umrahmt Jon M. Chu mit Jet-Set-Partys, Modeexzessen und endlosen Fressgelagen. Bis Eleanor erkennt, dass Rachel die perfekte Schwiegertochter ist, werden umständlich Requisiten und Nebenfiguren vorgestellt, die nichts zu der seichten Story beisteuern. Jedenfalls nicht im ersten Teil.

Teil von was? Der Bestseller-Trilogie, die Kevin Kwans zugrunde liegender Erfolgsroman einläutet. Crazy Rich werden wollen auch der Autor und die Produzenten, die jedes Konfliktpotenzial aus der Seifenopern-Inszenierung eliminierten. Von Satire oder Kritik sind die Ultrareichen unantastbar. Mit höhnischer Verachtung übergossen wird dafür die einzige Unterschichtsvertreterin. Der Humor ist so plump wie die Anbiederung an Eliten und Singapurs LGBTQ-feindliche Gesetzgebung, wegen der Homosexualität nur angedeutet wird. Das kaugummiartig süßlich-zähe Melodram verkauft Protzerei als Romantik, hohle Gesten als Rebellion und Heuchelei als Anstand. Der Denver Clan ist dagegen Punk.

  • OT: Crazy Rich Asians
  • Regie: Jon M. Chu
  • Drehbuch: Peter Chiarelli, Kevin Kwan, Adele Lim
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 121 min.
  • Cast: Constance Wu, Michelle Yeoh, Henry Golding, Gemma Chan, Awkwafina, Ken Jeong, Jimmy O. Yang, Chris Pang, Sonoya Mizuno, Jing Lusi, Ronny Chieng, Pierre Png
  • Kinostart: 23.08.2018
  • Beitragsbild © Warner Bros.
This piece first appeared …