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Berlinale ’12: Erster Film über Indonesiens queere Frauen: „Children of Srikandi“ im Panorama

Berlinale ’12: Erster Film über Indonesiens queere Frauen: „Children of Srikandi“ im Panorama

Mit einem legendenhaft „Es war einmal …“ beginnt die experimentelle Filmtour in einen in mehrer Hinsicht entrückten Mikrokosmos. Doch die kontrastreiche Kompilation semi-dokumentarischer Pamphlete und biografischer Abrisse ist kein Märchen. Jedenfalls keines der mystisch-zarten Art wie das Schattenspiel, das die losen Kapitel des Gemeinschaftsprojekts des titelgebenden Kollektivs indonesischer Filmemacherinnen verknüpft. Performance, Stilisierung und Abstraktion – präsentiert mit einer Offenheit zwischen Selbstexposition und -reflexion – zeichnen eine bedrückende Skizze der Lebensumstände queerer Frauen in Indonesien.

Für fünf der acht Regisseurinnen, die in Handkameraszenen, Amateurvideos und Privataufnahmen die brutale Unterdrückung von LGBT-Personen aufzeigen, ist die Filmproduktion ein doppeltes Wagnis. Für die Studentin Yulia, ihre Kolleginnen Hera, Afank, Eggie und die Architektin Imelda kommt der Schritt hinter die Kamera mit dem davor. In einem fundamentalistischen Patriarchat kann die ungeschliffene Reportage nicht neben ihrer Laufbahn auch ihr Leben zerstören. Als queere Frauen sind die Protagonistinnen Opfer mehrfacher Diskriminierung in Form von Verfolgung, Gewalt, sozialer und familiärer Ächtung.

Wir wollen machen, was wir wollen, aber wir müssen oft machen, was müssen“, beschreibt eine Regisseurin den erstickenden Konflikt. Der Kampf der Filmautorinnen um Selbstbestimmtheit erstreckt sich weit über das Feld Sexualität hinaus. Die rohe Unmittelbarkeit der Darstellung, die mutige Entschlossenheit des titelgebenden Kollektivs und allen voran die Dringlichkeit des Themas geben dem mit minimalen Mitteln realisierten Konstrukt trotz dessen anstrengender Unfertigkeit Relevanz. Mit improvisatorischen und oft simpelsten Mitteln werben die Szenen für Verständnis, Akzeptanz und Toleranz.

Das Ansehen des ambitionierten Stückwerks ist mindestens ebenso anstrengend, wie es wohl deren Fabrikation war. Dennoch ist der Festivalbeitrag der Children of Srikandi ein Achtungserfolg als das erste Dokument, das überhaupt ein Licht auf die verborgenen Schicksale von Indonesiens queeren Frauen wirft.

  • OT: Anak-Anak Srikandi
  • Regie: Laura Coppens, Hera Danish, Children of Srikandi Collective
  • Produktionsland: Deutschland, Indonesien
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 73 min.
  • Beitragsbild © Berlinale