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„Styx“ begibt sich mit apologetischen Untertönen auf ambivalenten Kurs

„Styx“ begibt sich mit apologetischen Untertönen auf ambivalenten Kurs

Das überwältigende Gefühl der Taten- und Hilflosigkeit ist zugleich die Stärke und gravierende Schwäche von Wolfgang Fischers bemühtem Hochseedrama. Darin sieht sich wie jüngst Shailene Woodley in Adrift eine Seglerin (überzeugend: Susanne Wolff) unvermittelt mit einem Schiffbruch konfrontiert. Allerdings ist nicht ihre Yacht in Not, sondern ein rostiger Fischkutter. Die bedrohten Leben sind die Dutzender Flüchtlinge an Bord. Während die angefunkte Hilfe auf sich warten lässt, ringt die deutsche Ärztin mit ihrem Gewissen und der Unentschiedenheit einer Allegorie, die noch plakativer ist als der Titel.

Dessen Deutungsspektrum übersteigt bei Weitem das opportunistische Exposé, das die moralische Ambiguität der Situation niemals ausschöpft. Stattdessen umschifft der österreichische Regisseur drängende ethische Fragen und verwässert das realistische Drama mit unnötiger Exposition. Weder gibt dieses Dekorum den prototypischen Charakteren psychologische Tiefe, noch konkretisiert es den politischen Rahmen. Die erst im Abspann als Rike benannte Hauptfigur verkörpert ein naives „Was würdest du tun?“, das die Umstände unterminieren. Absichtlich oder unbedacht liefert der inkonsequente Plot nachvollziehbare Gründe für Rikes Zögerlichkeit und stellt eine Rettungsaktion als unmöglich dar.

Nachdem sie den jungen Kingsley (Gedion Wekesa Oduor) rausgefischt hat gilt: Das Boot ist voll. Damit die Masse der Ertrinkenden es nicht zum Kentern bringt, dreht Rike ab. Die Botschaft ist klar: Man hat getan, was möglich war, mehr würde Selbstgefährdung bedeuten. Zeit, sich vom Sterben (das Fischer bezeichnenderweise nie direkt zeigt) abzuwenden. Warum keine Hilfstrupps bereitstehen? „I don‘t have any answers“, erkündet Rike stellvertretend für Fischer. Seine kalkuliert in tragischer Machtlosigkeit verankerte Apologie ist das Gegenteil der herausfordernden Parabel, die das Betroffenheitskino sein will.

  • OT: Styx
  • Regie: Wolfgang Fischer
  • Drehbuch: Wolfgang Fischer
  • Produktionsland: Deutschland, Österreich
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 94 min.
  • Cast: Susanne Wolff, Gedion Wekesa Oduor, Alexander Beyer, Inga Birkenfeld
  • Kinostart: 09.08.2018
  • Beitragsbild © Zorro