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„Cirque du Soleil: Worlds Away“ monetarisiert das Image der Zirkusmarke

„Cirque du Soleil: Worlds Away“ monetarisiert das Image der Zirkusmarke

Wer hoch fliegt, fällt tief, Abgründe tun sich auf, es geht steil nach unten. Der Prolog der pompösen Leinwandvorführung der erfolgreichen Zirkusmarke strotz vor Metaphern, die in Retrospektive wie diskrete Warnungen erscheinen. Andrew Adamson will sich mit dem prätentiösen Bilderbogen zu magischen Höhen aufschwinge und fliegt dann tatsächlich: voll auf die Fresse, inszenatorisch betrachtet. Der Klischeekitsch, der eine scheue Zuschauerin (Erica Linz) den seltsamen (Un)Fall eines Akrobaten (Igor Zaripov) beobachten lässt, ist dabei noch lange nicht der Tiefpunkt einer Werbeillusion mit das Marketingkonstrukt „Phantasie“.

Statt in den Tod stürzt der Akrobat, gefolgt von der von ihm offenbar magnetisch angezogenen Frau in eine von Popsongs und schwelgerischen Tönen untermalten Dauer-Bühnenshow. Falls es eine extra Hölle für Schausteller gibt, sieht die vermutlich genauso aus: Eine endlose Abfolge tadellos einstudierter Kunststückchen vor ständig wechselnden Karnevalskulissen, in denen alle pompöse Kostüme zur Schau tragen und eine überdeutliche Identifikationsfigur dem Publikum vorgibt, wie es das alles aufzunehmen hat. Mit kindlichen Kulleraugen voll staunender Begeisterung, beständig stockendem Atem vor lauter Farben-, Formen- und Figurenfreude.

Adamson weidet sieben Las-Vegas-Shows aus, um von jeder das Spektakulärste zu liefern. Der dünne Handlungsfaden kann die ästhetische Disharmonie nicht nivellieren. Aneinandergereiht sind die Nummern so unverträglich wie ihre Titel klingen: Kà, Mystère, Love, O, Zumanity, Criss Angel Believe, Viva Elvis. Um deren Bruchstücke wabbert dicker Trockennebel, aus dem jeden Moment John Carpenters Zombie-Seeleute taumeln könnten. Die wären in der hirntoten Selbstdarstellung noch das Lebendigste. Die banale Berieselung liefert dem Subgenre dreidimensionaler Theater- und Konzertfilme ein Paradebeispiel für die Defizite gegenüber einer realen Aufführung.

  • OT: Cirque du Soleil: Worlds Away
  • Regie: Andrew Adamson
  • Drehbuch: Andrew Adamson
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 91 min.
  • Cast: Erica Linz, Igor Zaripov, Matt Gillanders, Jason Berrent, Dallas Barnett, Lutz Halbhubner, Sophia Elisabeth
  • Kinostart: 07.02.2013
  • Beitragsbild © Paramount