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Weltraumtour mit Wackelkamera: „Apollo 18“

Weltraumtour mit Wackelkamera: „Apollo 18“

Captain Benjamin Anderson  (Warren Christie)  kam bei einer militärischen Trainingsübung ums Leben. Seine sterblichen Überreste wurden nie geborgen. Commander Nathan Walker  (Llyod Owen) verunglückte tödlich während eines militärischen Flugeinsatzes. Seine Leiche blieb verschollen. Lieutenant Colonel John Grey (Ryan Robbins) erlitt im Dienst der US-Armee einen fatalen Unfall. Sein Körper wurde nie geborgen. Das ist die offizielle Version. Aber natürlich gibt es immer noch ein paar andere. Eine von denen verpackt Gonzalo López-Gallego in einen kurzweiligen Sci-Fi-Horror. Jahrzehntelang wartete die Wahrheit verschlossen in einem Militärarchiv auf jemanden, der sie der Weltöffentlichkeit enthüllt. Und dieser jemand ist Timur Bekmambetov.

Alles erfunden, schon klar. Dafür bringt Russlands Erfolgsproduzent das Found-Footage-Genre dorthin, wo es nie zuvor gewesen ist: in den Weltraum. Aus dem eingeschränkten Aktionsradius und klaustrophobischen Setting holt die effektive Inszenierung einen beachtlichen Unterhaltungswert, der lediglich an der mangelnden Integration der unfreiwilligen Komik leidet. „Ihr müsst dort oben vorsichtig sein“, warnt Huston das Team, das die Signifikanz der Worte erwartungsgemäß zu spät begreift. Hätte die Crew bloß aufmerksam ihr eigenes Bildmaterial gesichtet, auf dem sich die schleichende Bedrohung versteckt abzeichnend. Die Gefahr überfällt die Protagonisten nicht, sondern umzingelt sie lautlos. Ein Hauch kalter-Kriegs-Paranoia fliegt mit ins All.

Das klaustrophobische Innere der Mondsonde und die totale Einsamkeit der Kraterlandschaft sind gegensätzliche Facetten desselben Schreckens. Der Retro-Sci-Fi profitiert von der originellen Szenerie und (pseudo)historisch verankerten Story um Invasionspanik und unausrottbare Verschwörungstheorien. Größter Makel der Weltraumtour mit Wackelkamera ist die vorschnelle Enthüllung des Unbekannten, dessen Potenzial sich kaum entfalten darf. Die Figurenzeichnung ist rudimentär, jedoch ein akzeptabler Kompromiss zugunsten der straffen Handlung und suggerierten Authentizität. Kaum das die Charaktere Kontur gewinnen, droht ihnen die monströse Absorption. Seelische Auflösung wird zum Vorboten der physischen. Auf dem Mond hört dich keiner schreien. Und wenn doch, wechseln die den Kanal.

In seinem US-Debüt spielt Gonzalo Lopez-Gallego mit der Furcht vor Auslieferung und Dunkelheit an einem Ort, an dem beide absolut sind. Die undurchdringliche Schwärze des Alls zwängt die Figuren auf engstem Raum zusammen. Platz, Sauerstoff, Zeit: Alles begrenzt in der Unendlichkeit, deren morbide Faszination der nostalgischen Schreckensmission einen naiven Charme verleiht. „18 steht wieder auf dem Programm“, verkündet Captain Anderson zu Beginn. Bald auch in einem Kino in Ihrer Nähe.

  • OT: Apollo 18
  • Regie: Gonzalo López-Gallego
  • Drehbuch: Cory Goodman, Brian Miller
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 86 min.
  • Cast: Erica Carroll, Warren Christie, Ryan Robbins, Ali Liebert, Andrew Airlie, Lloyd Owen, Michael Kopsa, Kurt Max Runte
  • Kinostart: 13.10.2011
  • Beitragsbild © Senator