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„Rubinrot“: Ist die Buchvorlage genauso mies oder noch grottiger?

„Rubinrot“: Ist die Buchvorlage genauso mies oder noch grottiger?

Liebe geht durch … na? Den Magen? Falsch, buh! Liebe geht durch alle Zeiten. Weiß doch jeder – jeder Fan von Kerstin Giers Romantrilogie mit den Fortsetzungen Smaragdgrün und Saphierblau. Für die Produzenten der Kinder-Ausgabe von „Die Frau des Zeitreisenden“ geht Liebe vor allem durch das Konto. Deshalb biedert sich ihre schale Schnulze beim Zielpublikum mit stereotypen Heldenfiguren, plumpen Witzen und verlogenem Liebeskitsch an. Wer sowas toll findet? Felix Fuchssteiner: „Man wird in eine ganz eigene Realität gezogen, es gibt historische Szenen, tolle Kostüme, Pferde, Fechtszenen … Alles was man als Filmemacher immer schon mal machen wollte.“ Außer jemand zählt zu diesen komischen FilmemacherInnen, die Wert auf Story, Charaktere, Atmosphäre und Dynamik legen.

Keine Sorge, mit dergleichen befasst sich der Regisseur nicht. Dafür gibt es Geheimbünde, Schulmädchenuniformen, Nahkämpfe und Zeitreisen. „Und das alles in einem einzigen Film!“ Selbiger ist eine noch größere Strafe als laut der 16- jährigen Protagonistin Gwendolyn (Maria Ehrich) das Leben bei ihrer verhassten Cousine Charlotte (Laura Berlin). Zum Glück hat Gwendolyn einen genetischen „Durch-die-Zeit-Spring-Defekt“. Macht voll Sinn, findet Gwens Freundin Leslie (Jennifer Lotsi). Deshalb wird dazu nichts weiter erklärt. Egal, bei über zwei Stunden Filmlaufzeit ist jedes ausgelassene Detail ein Segen. Wie Gwens Tante anmerkt: „Manchmal ist es besser unwissend zu sein und zu bleiben.“ Das befanden auch die Leute, die falsche Latein-Floskeln und Straßenschilder in das zwischen diversen Zeitebenen wechselnde Setting stopften.

Abschreiben will gelernt sein, weiß Drehbuchautorin Katharina Schöde, die ihre Schulball-Racheszene aus Carrie (ohne Blut) abguckt.Dann noch ein bisschen Die Vampirschwestern (ohne Blut) untermischen und Das Schweigen der Lämmer – mit Blut! Keine Panik, bloß ein Tropfen mit superwichtiger, superidiotischer Funktion. Es gibt ja noch einen Geheimbund unter Leitung des Grafen von St. Germain (Peter Simonischek), irgendwo zwischen Twilight und Illuminati. Hier lernt Gwen, wie nützlich Nachahmung und Assimilation ist. Noch besser sind Snobismus, Oberflächlichkeit und „ein Weltbild wie aus dem vorletzten Jahrhundert“. Letztes wird erst heuchlerisch kritisiert, dann hingebungsvoll umarmt, von den Filmemachern und der seichten Protagonistin. Die tanzt schließlich im protzigsten Kleid zu einer Pop-Ballade der neidischen Charlotte etwas vor.

Besser als jede Soap Opera“, kommentiert die allgegenwärtige Katharina Thalbach als Tante Maddy. Wenn „besser“ kitschiger, abstruser, banaler, verlogener und dümmlicher meint, dann übertrifft das spannungs- und geistlose Kinderabenteuer wahrhaftig jede Seifenoper. Das Crappy End überschattet eine bange Frage, die Gwen ausspricht: „Was ist, wenn der fehlende Teil der Prophezeiung noch viel schlimmer ist?

  • OT: Rubinrot
  • Regie: Felix Fuchssteiner
  • Drehbuch: Katharina Schöde, Kerstin Gier
  • Produktionsland: Deutschland
  • Jahr: 2013
  • Laufzeit: 121 min.
  • Cast: Veronica Ferres, Uwe Kockisch, Katharina Thalbach, Florian Bartholomäi, Laura Berlin, Anna Böttcher, Sibylle Canonica, Justine del Corte, Levin Henning, Gottfried John, Gerlinde Locker, Jennifer Lotsi, Axel Milberg
  • Kinostart: 14.03.2013
  • Beitragsbild © Concorde