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Pathos, Prunk & Plattitüden: „Die Alpen – Unsere Berge von Oben“

Pathos, Prunk & Plattitüden: „Die Alpen – Unsere Berge von Oben“

Es sei nicht der Berg, den wir bezwingen, prangt zu Beginn von Peter Bardehles und Sebastian Lindemanns gravitätischer Panoramaschau auf der Leinwand. „Wir bezwingen uns selbst.“ Zitat Sir Edmund Hillary, der Mensch, der mit Tenzing Norgay als Erster (erster westlicher weißer Mann und nur das zählt) den Mount Everest erklomm. Passt wunderbar, da die Bergbesteigung sich just zum 50. Mal jährt und die Filmsichtung ähnlich viel Selbstbezwingung fordern. Der Regisseur von Die Nordsee von oben verbrämt vaterlandsstolz Wipfel- und Gipfelbilder. Alles unseres, stellt der Untertitel klar. Rhetorische Besitzergreifung annektierte seinerzeit bereit die an sieben Nationen schwappenden Nordsee. Wasser, Land, Luft zum Atmen, gehört alles – ja, wem eigentlich?

Den Deutschen, in deren Kinos die Lehrtexte heruntergebetet werden? Den Franzosen, die mit dem Mont Blanc die höchste Spitze auf ihrer Seite haben? Oder gehört der Mont Blanc doch dem hiesigen Zielpublikum, für das sein Name gleich eingedeutscht wird? In schweizerischer Hand ist immerhin die Nordwand, die ihren Kinomoment vor fünf Jahren hatte. Besagten Spielfilm finanzierten die bergbegeistern Deutschen und, ja okay, ein paar Österreicher. 800.000 von ihnen stritten, wie die Doku lehrt, mit 900.000 Italienern dazumal um einen Teil des Gebirges. Das war Kampfzone des Ersten Weltkriegs, genannt: Gebirgsfront. Solch martialische Begriffe prägen den geschwollenen fabulierenden Tenor: „Es waren einmal zwei Kontinentalplatten, die kamen sich in die Quere.

Die Soldaten, die sich dort später ebenfalls in die Quere kamen, wünschten sich wohl genauso weit weg wie das tödlich gelangweilte Publikum. Aber eine Bergexkursion dient nicht der Unterhaltung, statuiert die Stimme von Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl: „Früher wäre keiner zum Spaß in die Berge gegangen.“ Heute gehen viele nur zum Spaß: Touristen, die titelgetreu nur von oben herab betrachtet werden. Einerseits nerven ihre Ansprüche an naturnahe Unterhaltung, andererseits bringen sie Einnahmen. Ähnlich wie KinozuschauerInnen. Letzte hören zum Gletschersterben lediglich die profane Frage: „Hat der Wintersport in den Alpen noch eine Zukunft?“ Falls nicht, gibt das wenigstens Stoff für die nächsten Doku: Deren globale Erwärmung von oben. Ganz recht, deren.

Unsere sind ja die euphorisierenden Berge: „Diese Gipfel machen glücklich!“ Nicht, wenn pompöser Phatos und unangenehme Deutschtümelei sie überschatten. „Es muss dort oben auf den Gipfeln etwas geben, für das sich auch die größte Mühe lohnt.“ Ötzi, Dolomiti, Heidi, die lila Milka-Kuh und der Bärenmarke-Bär, der dort oben mit seiner Alpenmilchkanne rumläuft? Für das Regie-Duo waren es wohl einfach die zu Filmeinnahmen.

  • OT: Die Alpen – Unsere Berge von Oben
  • Regie: Peter Bardehle, Sebastian Lindemann
  • Drehbuch: Peter Bardehle, Sebastian Lindemann
  • Produktionsland: Deutschland
  • Jahr: 2013
  • Laufzeit: 94 min.
  • Kinostart: 12.09.2013
  • Beitragsbild © Alamode
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