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In den Himmel gelobt: Wim Wenders „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

In den Himmel gelobt: Wim Wenders „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Wim „Ich bin wieder gläubig!“ Wenders ist ein Riesenfan von dem da oben. Nicht nur von Gott, von dem er glaubt, dass er „uns mit freundlichen Augen betrachtet“ (statt mit sadistischem Grinsen, wie sich angesichts von Trump-Präsidentschaft und Klimakatastrophe annehmen ließe). Vor allem zeigt sich Wenders begeistert von Papst Franziskus. Auf ihn schaut der Filmemacher mit mindestens ebenso freundlichen Augen wie Gott auf alle und tat dies in diversen Interviews kund. Der offizielle Segen dafür kam in Form einer Einladung des Vatikans und Carte blanche für ein Filmprojekt über den Kirchenvater.

Letzten stilisiert die Leinwandlitanei zum unfehlbaren Schirmherren von „Mutter-Schwester Erde“ und Menschheit. Das umfangreiche Archivmaterial verharrt in ermüdender Iteration: Der frisch ausgerufene Papst verkündet jubelnden Anhängern, er sei jetzt Papst, der Papst in den Slums, der Papst vor Sträflingen, nach dem Hurricane auf den Philippinen, im US-Kongress, im Papamobil. Die rollende Panzerglasvitrine mag er nicht besonders. Lieber fährt er im kompakten Kleinwagen, den ein Radiomoderator „Mr. Bean Car“ nennt. Außerdem schwelgt der Papst angeblich weniger im Luxus als seine Vorgänger. Details, die Wenders als Belege für Bescheidenheit, Humanismus und Weltnähe heranzieht.

Das Tollste sei, „dass er so voll hinter allem steht, was er sagt und tut.“ Und was sagt er öffentlich und den vier Interviews, welche die faden Beweihräucherungneben historischenSpielszenenunterbrechen?Armut ist schlimm, Umweltzerstörung auch, Arbeitslosigkeit sowieso, aber Humor ist super. Nun kann jemand hinter Versprechungen oder Werten stehen, aber hinter pathetischen Allgemeinplätzen? Bei kontroversen Themen wie Homosexualität, Zölibat, Familienplanung oder Abtreibung suggerieren selektive Gesprächspassagen, seine Haltung sei toleranter als sie tatsächlich ist. Einzig Franziskus‘ Ablehnung des Feminismus verrät die Scheinliberalität, sowohl der naiven Laudatio als auch ihres Saint-Exupery zitierenden Übervaters.

  • OT: Pope Francis: A Man of His Word
  • Regie: Wim Wenders
  • Drehbuch: Wim Wenders
  • Produktionsland: Frankreich, Deutschland, Italien, Schweiz
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 96 min.
  • Kinostart: 14.06.2018
  • Beitragsbild © Universal
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