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A Tall „Dolphin Tale“

A Tall „Dolphin Tale“

Nach einer wahren Begebenheit. Viel ist davon ist nicht übrig in Charles Martin Smiths vor klebrigem Sentiment triefendem Moralstück, in dem eingesperrte Meeressäugern „zwitschernwie Tweety!“. Delphin-Weibchen Winter (Winter) wird so viele Tonband-Gezwitscher angedichtet, dass sogar die Mama (Ashley Judd) von Problemkind Sawyer (Nathan Gamble) dessen Nachhilfelehrer etwas zwitschert: „Was er hier lernt ist so viel wertvoller als alles, was Sie ihm beibringen können“. Das Publikum lernt auch, und zwar wie ungeniert hier die ausgelaugte Story von Free Willy neuvermarktet wird. Damals war der Delphin ein Orca, die amputierte Schwanzflosse eine geknickte Rückenflosse und Sawyer hieß Jesse. In dem Neuaufguss überzeugen nicht eimal die Schauspielveteranen Freeman und Kristofferson.

Apropos Veteranen: ein solcher ist Sawyers Cousin Kyle (Austin Stowell). Den aspirierenden Profisportler behindert ein finanzielles Karrierehandicap: „Darum gehe ich eine Weile zur Army. Die bezahlen meine Ausbildung.“ Das sei als wäre er nur mal zehn Minuten weg. Im Rahmen der Filmlaufzeit stimmt das auch. Die Spendierfreude der Regierung untermauert später Dr. McCarthy (Morgan Freeman): „Ich habe Staatsobligationen. Mach irgendwas kaputt und der Staat bezahlt es.“ Ertönt Wagners Walkürenritt zum Flug eines Spielzeug-Helikopters, verstehen auch die kleinen Zuschauer, dass Krieg so banal ist wie Krieg spielen. Nach Zweitem relaxt Kyle in einer exklusiven Reha-Klinik. Sawyer findet die Therapie das rücksichtslos, denn „Familie ist für immer“ steht auf seinem Taschenmesser.

Ohne Krieg hätte Kyle Sawyer nicht das Messer zum Abschied geschenkt, Sawyer hätte damit nicht Winter von einer Reuse befreien können und Kyle wäre nicht verwundet worden, so dass Sawyer nie Dr. McCarthy getroffen, der eine Schwanzflossen-Prothese für Winter konstruiert. Sawyer hätte weiter miese Noten geschrieben, statt sich zusammenzureißen. Denn wer will, kann auch und wer nicht kann, will bloß nicht. Das ist die apodiktische Lehre des blasierten Hochglanz-Märchens. „Delphine und Menschen bilden von jeher eine ganz besondere Symbiose.“ Ohne Angler, die gestrandete Delphine finden, Sekunden später auftauchende Rettungsteams und Autoschrott („Die Prothese habe ich aus den Teilen eines alten Buicks gebaut“) wären die Biester aufgeschmissen!

Warum Delphine trotzdem bedroht sind? Dr. Clay sagt: „Wir können sie nicht zum Überleben zwingen.“ Die einzige Gegenleistung dafür ist Plantschen in Delfinarien. Wer träumt nicht von einer Showbusiness-Karriere wie Flipper? Dessen Darsteller ist übrigens tot. Who killed Flipper? Die Frage beantwortet ein guterDelphin-Film: The Cove. Die Dokumentation mit Ric O´Barry zeigt, dass Tiere in Gefangenschaft Selbstmord begehen und das, was Smith „Lächeln“ nennt, kein mimischer Ausdruck von Fröhlichkeit ist. In Gefangenschaft „lächelt“ Winter, von der es heißt: „Dieser Delphin führt uns alle irgendwohin“ Na klar, ins Kino.

  • OT: Dolphin Tale
  • Regie: Charles Martin Smith
  • Drehbuch: Karen Janszen, Noam Dromi
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 113 min.
  • Cast: Harry Connick Jr., Ashley Judd, Nathan Gamble, Kris Kristofferson, Cozi Zuehlsdorff, Morgan Freeman, Austin Stowell, Frances Sternhagen, Austin Highsmith, Betsy Landin, Juliana Harkavy, Megan Lozicki, Tom Nowicki, Jim Fitzpatrick, Kim Ostrenko
  • Kinostart: 15.12.2011
  • Beitragsbild © Warner Bros.