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Takashi Miike bringt „Ace Attorney“ auf die Leinwand

Takashi Miike bringt „Ace Attorney“ auf die Leinwand

Einspruch! … ist das entscheidende Wort Takashi Miikes Adaption des gleichnamigen PC-Spiels, das Science-Fiction, Fantasy und Gerichtsfilm zu einem überdrehten Debattierclub bündelt. Dank der Popularität der virtuellen Vorlage ist der Ausruf Teil der japanischen Pop-Kultur. Doch kein Einspruch kann die wilden Gesten und aberwitzigen Argumentationstaktiken des zentralen Figuren-Quartetts ausbremsen. Die mit knalligen Effekten unterstrichenen, unter wachsendem Zeitdruck vorgetragenen Plädoyers von Staatsanwalt Miles Edgeworth (Takumi Saito) und KollegInnen halten die verschachtelte Handlung zusammen und am Laufen. Im Mittelpunkt des Verhandlungszirkus steht Phoenix Wright (Hiroki Narimiya). Er erlebt seine Initiation in fünf Verhandlungen, die auf immer höherer bürokratischer und juristischer Ebene erwachsen.

Der Name des Jungverteidigers vermittelt lautmalerisch und symbolisch seine Ambitionen und seinen Gerechtigkeitssinn. Seine Berufskontrahenten Miles und Larry Butz (Akiyoshi Nakao) sind in einer Zukunft, in der binnen drei Tagen ein Urteil gefällt wird, auch seine Kindheitsgefährten. Biografischer Ballast plagt die Protagonisten indes wenig. Private Tragödien benennen die Motive der Charaktere, ohne sie psychologisch zu vertiefen. Die hyperaktive Fantasy-Komödie bietet dafür jedoch reichlich parodistisches Potenzial, das auch ohne erkenntliche Absicht des Regisseurs die Kamikaze-Komik unterwandert. Es gäbe ein Genie hinter dem Szenario, behauptet Phoenix, und meint implizit Miike. Dessen Plot orientiert sich wohlweislich weniger am Verlauf des Spiels als an dessen Optik.

Überall ticken mahnende Uhren als Beweismaterial, Hintergrundobjekt oder Tatwerkzeuge. Zu letzten gehört eine Uhr in Gestalt von Rodins „Denker“, über die Larry sagt: „Bete zu ihm und die Lösung wird dir einfach zufliegen.“ Das Requisit wird zum Götzen einer absurd ökonomisierten Bürokratie. Die Hochdruck-Verfahren dienen der Wahrheitsfindung, da sie Schurken keine Zeit zum Pläneschmieden geben. Das Prinzip dahinter formuliert der umtriebige Regisseur wörtlich aus: „Stell die Logik auf den Kopf.“ Die gewitzte Story heroisiert, was sie zu karikieren vorgibt und vergisst dabei jede Zeitoptimierung. Wie Miles bemerkt: „Nichts ist armseliger als ein Anwalt, der nicht weiß, wann man aufhören muss.“ Einspruch stattgegeben.

  • OT: Gyakuten saiban
  • Regie: Takashi Miike
  • Drehbuch: Takeharu Sakurai, Yukiko Ohguchi
  • Produktionsland: Japan
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 129 min.
  • Cast: Ryo Ishibashi, Hiroki Narimiya, Kimiko Yo, Takumi Saitô, Akira Emoto, Mirei Kiritani, Rei Dan, Fumiyo Kohinat
  • Beitragsbild © Koch Films/ Toho