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Berlinale ’18: Made-For-TV-Terrorism: José Padilha’s „7 Days in Entebbe“

Berlinale ’18: Made-For-TV-Terrorism: José Padilha’s „7 Days in Entebbe“

Der scheinbar willkürliche Parallelschnitt einer anachronistisch eingegliederten Choreographie Ohad Naharins, bei der Israels Batsheva Dance Company eine Interpretation von „Echad Mi Yodea“ vorführt, ist tatsächlich eine kongeniale Metapher für die Haupthandlung von José Padilhas Historienthriller. Allerdings ist die makellos durchexerzierte Vorführung einer Routine keine prägnante Analogie zum Militäreinsatz, in den das tatsachenbasierte Geiseldrama mündet, sondern die didaktisch anmutende Inszenierung. Darin arbeitet der brasilianische Regisseur Stichpunkt für Stichpunkt die historischen Ereignisse ab, als wolle er möglichst undramatisch eine Schulklasse auf einen Aufsatz zum Thema vorbereiten.

Die Dialoge zwischen Premierminister Yitzhak Rabin (Lior Ashkenazi), Verteidigungsminister Shimon Peres (Eddie Marsan) und IDF-Chief Motta Gur (Mark Ivanir) ächzen vor ausschweifenden Expositionen, die ein bezeichnendes Licht auf Padilhas Einschätzung seines Publikums werfen. Mit den Figuren geht Drehbuchautor Gregory Burke nicht feinfühliger um. Selbst ein derart berüchtigter Diktator wie Idi Amin (Nonso Anozie) muss erst vorgestellt und sein Größenwahnsinn dargelegt werden. Angesichts der jede Spannung ausmerzenden Plakativität scheint es direkt nuanciert, dass Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) und Wilfried Böse (Daniel Brühl) keine Namenschildchen tragen.

Dem drögen Schematismus entkommen die konturlosen Kidnapper trotzdem nicht. Pike muss sogar ihre Perücke stutzen (weil Frisuränderungen bei Frauen ja immer Lebensumbrüche markieren) und ihre Zweifel einem toten Telefon beichten. Brühl hat wenigstens einen als personifiziertes Gewissen agierenden Flugzeugmechaniker, den er mit Revoluzzer-Phrasen traktieren kann. Von der Dynamik, kompromisslosen Brutalität und psychologischen Ambiguität Padilhas und Burkes besserer Werke zeigt ihre erste Zusammenarbeit keine Spur. Ihre fade Filmoperation evoziert weniger die explosive Ära des politisch einschneidenden Geiseldramas als die altbackener TV-Verfilmungen ohne künstlerische und dramaturgische Ambition.

  • OT: Seven Days in Entebbe
  • Regie: José Padilha
  • Drehbuch: Gregory Burke
  • Produktionsland: UK
  • Jahr: 2018
  • Laufzeit: 107 min.
  • Cast: Rosamund Pike, Daniel Brühl, Eddie Marsan, Ben Schnetzer, Nonso Anozie, Denis Menochet, Kamil Lemieszewski, Andrea Deck, Mark Ivanir, Angel Bonanni, Natalie Stone, Lior Ashkenazi, Brontis Jodorowsky, Yiftach Klein, Peter Sullivan
  • Kinostart: 03.05.2018
  • Beitragsbild © eOne
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