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Sein und Werden: „52 Tuesdays“ bei Berlinale Generation

Sein und Werden: „52 Tuesdays“ bei Berlinale Generation

Ein Jahr sei eine lange Zeit, besonders in ihrem Alter, sagt Jane zu ihrer jungen Tochter Billie, die gerade mit zwei Schulkameraden ihre erotische Neugier mit heimlichen Handkamera-Videos auslebt. Was dieses Jahr für die 16-Jährige Hauptfigur von Sophie Hydes nuanciertem Jugenddrama besonders lang erscheinen lässt, ist der Umstand, dass sie es bei ihrem Vater verbringen soll. Jane durchläuft eine Veränderungsphase, die mindestens ebenso fordernd und diffizil ist wie Billies Schritte ins Erwachsensein: Eine lang ersehnte Hormonbehandlung und eine OP sollen Jane mehr zu dem Mann machen, als der sie sich seit jeher fühlt. Nach außen hin hat Billie die Entscheidung ihrer Mutter ohne Vorbehalte akzeptiert.

Unterbewusst jedoch verunsichert sie die radikale Veränderung, die Jane per Video dokumentiert – ähnlich wie Billie die sexuellen Begegnungen mit ihren Freunden filmt. Die titelgebenden 52 Tage sind die Zeit, die Mutter und Tochter während der Umbruchphase miteinander zu verbringen vereinbaren. Sie stehen den Handlungskapiteln als emotionale Vignetten voran. Janes körperliche Veränderung wird zur Folie für Billies geistige Reifung, die am Ende keineswegs abgeschlossen ist. Gleiches gilt für einige der psychischen Konflikte, die Hyde anspricht, doch der feine Humor und unverkrampfte Umgang mit der Transgender-Thematik erleichtern das Ertragen einer gewissen Unsicherheit – eine Fähigkeit, die nicht nur für die Protagonisten des einfühlsamen Familienstücks bedeutsamer ist als absolute Determiniertheit.

  • OT: 52 Tuesdays
  • Regie: Sophie Hyde
  • Drehbuch: Matthew Cormack, Sophie Hyde
  • Produktionsland: Australien
  • Jahr: 201
  • Laufzeit: 109 min.
  • Cast: Tilda Cobham-Hervey, Del Herbert-Jane, Mario Späte, Beau Travis Williams, Imogen Archer, Sam Althuizen, Danica Moors, Susan Hyde, Greg Marsh, Audrey Mason-Hyde, Susie Skinner
  • Beitragsbild © Berlinale