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Fataler „Fargo“-Fanatismus: „Kumiko, the Treasure Hunter “ im Berlinale Forum

Fataler „Fargo“-Fanatismus: „Kumiko, the Treasure Hunter “ im Berlinale Forum

Tragik, Boshaftigkeit, Absurdität und Komik verflechten sich zu einem schillernden Fallstrick, der zugleich Publikum und Protagonisten ins Bodenlose fallen lässt. Manch verwegen ausgeschmückte Legende hat schon Zahllose zur Suche verlockt: nach Reichtum, vor allem jedoch nach einem besseren Leben und einem Funken Wahrheit in einer verlogenen Welt. Immerhin heißt es doch immer, das ganze sei „eine wahre Geschichte“. Mit dieser Behauptung beginnt David und Nathan Zellners visuell und narrativ gleichsam frostige Charakterstudie. Im Zentrum steht die von illusorischer Hoffnung getriebene Kumiko, der Rinko Kikuchi unverrückbare und dabei tragische Zielstrebigkeit gepaart skurriler Besessenheit verleiht. In den verschneiten Weiten Minnesotas sucht die junge Frau nach der vergrabenen Beute aus einer modernen Abenteuersage.

Deren Titel ist Fargo und sie stammt von den Coen Brüdern. Deren Film führte angeblich eine psychisch labile Asiatin in den Erfrierungstod. David und Nathan Zellner, die vor zwei Jahren ihren verstörenden Kid-Thing ins Berlinale Forum brachten, kehren zurück mit einer nicht minder beklemmenden und peinvollen Geschichte. Ihre erzählerischer Nuancierung ist jedoch eine ganz andere als die desorientierte, hitzige Wut des brutalen Kinderdramas. War dessen Hauptfigur ein Mädchen mit irritierend frühreifen Zügen, liegt hinter der fokussierten Fassade der Titelfigur Kumiko eine naive Kindlichkeit. Sie nährt den weltfremden Glauben an einen irdischen Lohn für Mut und Tapferkeit, der Kumiko zur geistigen Schwester Don Quichottes und ihren Weg zur bitteren Parabel machen.

  • OT: Kumiko, the Treasure Hunter
  • Regie: David Zellner
  • Drehbuch: David Zellner, Nathan Zellner
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2014
  • Laufzeit: 105 min.
  • Cast: Rinko Kikuchi, Nobuyuki Katsube, Shirley Venard, David Zellner, Nathan Zellner, Randy Baranczyk, John Edel, Kai Mariah, Karen Voels
  • Beitragsbild © Berlinale