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Berlinale ’13: „Behind the Camera“ läuft eine Riesen-Ego-Show (voll meta!)

Berlinale ’13: „Behind the Camera“ läuft eine Riesen-Ego-Show (voll meta!)

In zukünftigen Filmen ist der Regisseur Gott.“ Das einschüchternde Paradigma, das die locker-flockige Parodie auf einer Titelkarte verkündet, stammt von Alfred Hitchcock. Der geht in seiner Aussage noch einen Schritt weiter: „Der Dokumentarregisseur ist Gott.“ Gott hat in dem koreanischen (De)Konstrukt der Kinowirklichkeit einen Namen. Es ist der von Regisseur E J-Yong, der vor einen reifen Darstellerin und indirekt dem Publikum die Cleverness seines verwickelten Filmprojekts verteidigt. „Als ich dir davon erzählt habe, sagtest du es klingt lustig.“ … aber wie die Darstellerin erwidert: „Ich lag falsch. Es ist nicht lustig.

Nicht so lustig wie sich J-Yongs Satire über eine Kurzfilm-Dreh in Seoul, den der Regisseur aus Los Angeles via Internet und Handy inszeniert, vorkommt. Das namhafte Ensemble, das sich für den Film-im-Film versammelt, ist auch das Team der Mockumentary, als die sich Behind the Camera ausgibt. „Er macht das gleiche wie das Drehbuch“, erkennt der Regieassistent, der wie die restliche Crew den Filmemacher statt am Set nur auf einem TV-Bildschirm sieht. „Wer sonst hätte solche eine brillante Idee haben können?“ Nur einer: J-Yong selbst. Er setzte das Grundkonzept der Pseudo-Doku-Satire-Comedy in 2009 in The Actresses um. Selbstreferenziell und beflissen, dem Publikum für dessen (Tief)Blick auf die ineinandergreifenden Realitätsebenen zu komplementieren. Wird E schließlich am Set auftauchen oder nicht? Ist er in Hollywood oder in einem Hotelzimmer um die Ecke? „Filme drehen ist kein Scherz!“, ruft ein Crew-Mitglied schließlich entnervt. Mag sein, aber trotzdem kann es lustig sein – wenigstens für die beteiligten Darsteller, deren gespielte Verwirrung echter weicht während ihnen die Gewissheit schmeichelt, dass der Grenzgang zwischen Schein und Sein ihre Star-Persona zusätzlich unterstreicht.

  • OT: Behind the Camera
  • Regie: E J-Yong
  • Drehbuch: E J-Yong
  • Produktionsland: Südkorea
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 85 min.
  • Cast: Youn Yuh-jung, Park Hee-soon, Kang Hye-jung, Kim Ok-vin
  • Beitragsbild © Berlinale