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Celestial insignificance: „Pluto“ bei Berlinale Generations

Celestial insignificance: „Pluto“ bei Berlinale Generations

Es sei eine Art Geheimbund der zehn besten Studenten, erfährt June (David Lee) von seiner Schulkameradin Sujin (Kim Khob-bi) über die durchtriebene Clique, die an erster Stelle auf seiner Schulagenda steht. Nur indem er aufgenommen wird kann sich der Universitätsneuling in einem Leistungssystem behaupten, das gleichzeitig seinen Aufstieg sichert und ihn instrumentalisiert. Shin Su-wons zwiespältige Parabel, die ihre Systemkritik in den schwächsten Szenen selbst wie eine moralische Lektion anbringt, trägt im Titel nicht zufällig den Namen des Unterweltgottes, der die Handlung bis zum kompromisslosen Ende beherrscht.

Die koreanische Regisseurin, erst 2012 in Cannés für ihren Kurzfilm Circle Line ausgezeichnet, taucht in ihrem mit minimalen materiellen Mittel und exorbitanten Ambitionen inszenierten Thriller in den geschlossen Kreis von Koreas elitärem Schulsystem. In ihrem intellektuellen Ehrgeiz spiegelt die Regisseurin den ambivalenten Hauptcharakter, dessen Erlebnisse Su-wons eigene Erfahrungen als Lehrerin inspirierten. Vor dem Hintergrund gnadenlosen sozialen und familiären Leistungsdrucks sichert sich die vermögende Oberschicht Koreas ihren Rang auf der Bildungsebene mittels ihres sozialen Rangs. Als Sohn einer Versicherungsvertreterin hat June weder zu derartigen Hebeln Zugang, noch zu den unter den Besten der Besten zirkulierenden Lehrbüchern und Spickzetteln der Besten der Besten. „Du könntest sterben. Aber nur so klappt es“, sagt ihr Anführer Yunjin (Sung June). Er ist June auf psychologischer Ebene noch näher als er es als sein Zimmernachbar ist. Im Kampf um die Positionen des Leitgestirns auf der Notendurchschnittstafel hat Yujin längst über seine eigenen moralischen Grenzen überschritten – genauso wie es June tun wird.

  • OT: Pluto
  • Regie: Shin Su-won
  • Drehbuch: Shin Su-won
  • Produktionsland: Korea
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 114 min.
  • Cast: David Lee, Sung June, Cho Sung-ha, Kim Kkob-bi
  • Beitragsbild © Berlinale