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Berlinale ’13: „I used to be a Darker“ verworrene Story um verworrene Gefühle

Berlinale ’13: „I used to be a Darker“ verworrene Story um verworrene Gefühle

Vielleicht schreibst du einen Song darüber“, schlägt Kim (Kim Taylor) spöttisch ihrem Ex-Mann Bill (Ned Oldham) vor. Ihren Rat hätte auch Regisseur Matt Porterfield in seiner unschlüssigen Coming-of-Age-Story besser beherzigt. „Auf Überraschungen“ stoßen Bill und seine junge Nichte Taryn, die in Bills in Auflösung begriffene Familienheim platz, an ihrem ersten Abend an, doch unerwartete Plot- oder Figurenentwicklungen bleiben in dem trägen Independent-Drama aus.

Stattdessen schleppen sich die spärlichen Ereignisse von einer Musikeinlage zur nächsten, bis der stete Sing-Sang zum Schlaflied für den Zuschauer wird. Für die instrumentale Klangkulisse interessierte sich das kantige Jugenddrama, dessen Titel passenderweise einem Lieblingssong des Regisseurs entstammt, mehr als für die persönlichen Konflikte der Figuren. Kommen die pseudo-alternativen Spießbürger in ein Zimmer, spielt dort eine Band oder es findet eine Songprobe statt. Auf Autofahrten dudelt das Radio, auf das sich die Kamera hochgespannt fixiert, und daheim werden rotieren alte Platten wie die Figuren um sich selbst. Bevor überhaupt keine Musik mehr spielt, setzt sich Taryn selbst ans Piano, Kim tritt vors Mikrofon und Bill greift zur Gitarre.

Unter der dramaturgischen Unregelmäßigkeit verbirgt der halbherzige Mix aus Mainstream und Mumbelcore prätentiöse Art-House-Ambitionen. Der Plot stützt sich auf ein inszenatorisches Schema, das psychologische Komplexität und dramatischen Tiefgang mit hohlen Dialogen, sporadischer Handlung und Grunge-Look bei Protagonisten und Ausstattung behauptet. Der titelgebende Song entstamme einem Album, das ihn durch „einige harte Zeiten“ gebracht habe, verrät Porterfield. Beim Anschauen seines Beitrags zum Berlinale Forum hilft das nicht.

  • OT: I used to be a Darker
  • Regie: Matthew Porterfield
  • Drehbuch: Amy Belk, Matthew Porterfield
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2013
  • Laufzeit: 90 min.
  • Cast: John Belanger, Deragh Campbell, Jack Carneal, Juan Eloy Carrera, Adèle Exarchopoulos, Geoff Grace, Hannah Gross, Ned Oldham, Nicholas Petr, Declan Sammon, Kim Taylor, Ellis Woodward, Jimi Zhivago
  • Beitragsbild © Berlinale