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Irrelevante Inselliebe: Berlinale Kritik zu „Formentera“

Irrelevante Inselliebe: Berlinale Kritik zu „Formentera“

Ich lieb dich“, ist das allererste, was Ben zu Nina sagt. Noch bevor Ann-Kristin Reyels Beziehungsdrama den Titelort auf die Leinwand wirft, der Bens Worte in Frage stellt. Sie bräuchten ein bisschen Zeit für sich, erklärt Nina den gealterten Freunden, bei denen sie den Urlaub an einem immer gut gedeckten Tisch verbringen. Von den Plänen Bens, dem das Leben mit Nina und der gemeinsamen Tochter in Berlin längst zuwider geworden ist, auf die Insel umzusiedeln ahnt Nina nichts. Noch weniger weiß sie, wo die von ihr eifersüchtig beäugte Mara nach einem nächtlichen Schwimmgang untergetaucht ist. „Wer plädiert für kluge Lebenswege?“, fragt eine der hölzernen Figuren des possierlichen Fernsehspiels, das vergeblich emotionale wellen zu schlagen versucht.

Und wer plädiert für kluge dramaturgische Wege? „Schläfst du schon?“, fragt Ben seine Freundin beim Zubettgehen. „Ja!“ – „Gibst du mir ein Stück Decke ab?“ – „Nein!“ So bewegend sind die Konflikte zwischen dem Paar, das einander so überdrüssig scheint wie man es der faden Inselpanoramen wird. „Es gleicht sich alles irgendwann wieder aus, wenn nicht rechnerisch, dann kosmisch“, glaubt eine der nur zum Abgeben plumper Sinnsprüche und verkappter Gehässigkeiten in das Reiseprospekt-Szenario staffierten Nebenprotagonisten. Die Diskrepanz zwischen lebensphilosophischer Prätention und der drögen Prätention des ungelenken Fernsehspiels, mit dem die Regisseurin im Berlinale Forum den Vorjahreswettbewerbsbeitrag Alle anderen abkupfert, gleicht sich jedoch niemals aus. Am Ende bereue man nur, was man nicht getan habe, heißt es einmal. Am Ende des zähen Paar-Dramoletts bereut man, nicht in einen anderen Film gegangen zu sein. Der Schlusssong besingt die zehrende Langweile auf der pittoresken Filminsel: „The sand is white, the sky is blue and we´re just wasting our time.

  • Regie: Ann-Kristin Reyels
  • Produktionsland: Deutschland
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 92 Min.
  • Beitragsbild © Berlinale