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Berlinale ’12: Kindergarten-Chaoten: Berlinale Kritik zu „Dollhouse“

Berlinale ’12: Kindergarten-Chaoten: Berlinale Kritik zu „Dollhouse“

Als Jugendlicher mal Alkohol getrunken? Einen Joint geraucht? Und dann in völliger Enthemmung mit Chips geworfen? Ulkige Handyfotos mit sich und Freunden gemacht? Dem benebelten Typen mit Filzstift eine Kriegsbemalung verpasst? Auf dem Bett herum gesprungen oder, schlimmer noch, mit einer Party-Bekanntschaft hinein? Bei „Wahrheit oder Pflicht“ ein anderes Mädchen geküsst? Vielleicht alles ein ein und derselben Nacht auf ein und derselben Party? Doch, total, wenn man es nie gemacht hat. Hat jeder? Kirsten Sheridan hat nicht, darum muss die Regisseurin das alles filmisch nachholen: im Berlinale Panorama.

Jeannie feiert mit vier Low-Life-Freunden eine Party in der elterlichen Villa. Das chaotische Treiben sieht Sheridans Exposé vermeintlicher Exzesse als elitäre Klassenallegorie. „You´re gonna loose control, You´re gonna loose Your soul“, raunt der plakative Soundtrack, der suggeriert Teenie-Späße seien Grenzüberschreitungen. Und Jeannie? Quit living in dreams … Nicht die einzige tiefschürfende Inspiration von Dollhouse, dessen Titel offensichtlich auf Ibsen anspielt. „Ich hasse diese Musik“, ruft ein Junge, als Edvard Griegs Peer Gynt aufgelegt wird. Was Unkultiviertheit beweisen soll, widerspricht ihr unfreiwillig: Wer die Oper auf die Partitur kennt, kann nicht so bildungsfern sein. Doch wo Platzwunden über Nacht heilen und Babys und Kleinkinder aus dem Nichts kommen, verwundern solche Logiklücken nicht weiter. „Ihr seid aus einem Grund hier“, heißt es einmal. Allerdings: Kirsten Sherdians Kino-Party.

  • Regie: Kirsten Sheridan
  • Drehbuch: Kirsten Sheridan
  • Produktionsland: Irland
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 95 Min.
  • Beitragsbild © Berlinale