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Lasst alle Hoffnung fahren: „Haus des Anubis – Pfad der 7 Sünden“

Lasst alle Hoffnung fahren: „Haus des Anubis – Pfad der 7 Sünden“

Wir sind nun schon sechs Monate zusammen“, seufzt Nina (Kristina Schmidt). Sechs Monate?! Sechs Jahre ist man schon mit der Serienclique zusammen, mit denen Das Haus Anubis seine Invasion der Fernsehbildschirme durch nachgedrehte Ableger der dänischen Originalserie fortsetzt. „Wer hätte gedacht, dass du es so lange mit mir aushältst“, wundert sich ihr Freund Daniel (Daniel Wilken). „Du hältst es doch noch aus, oder?“ Als Zuschauer kommen nach den Eröffnungsminuten des Kinoablegers, den der an der gleichnamigen Fernsehserie erprobte Jorkos Damen von Das Haus Anubis inszenierte, Zweifel, bevor einer der Serienhelden droht: „Wir werden so viel Spaß zusammen haben. Ist das nicht toll?

Nein, denn die Figuren sind zur unfreiwilligen Selbstparodie klischeehaft. Daniel ist der ritterliche Held, Nina die holde Maid im Burgverlies, Magnus der Streitsüchtige, Kaya (Karim Günes) der Faulpelz, Felix (Florian Prokop) der Possenreißer, Delia (Franziska Alber) die Eitle, Luzy (Alicia Endemann) die Zicke, Mara (Fereba Kone) die Schüchterne und Charlotte (Alexa Benkert) die Streberin. Ihr Internatsausflug ist vermutlich eine cineastische Geheimmission geplant von Magnus (Marc Dumitru), der immer nur an Macht und Geld denkt. Daraus, dass es dem Feature um nichts anderes geht, macht Produzent Thorsten Wegener keinen Hehl: „Es ist unsere Produktionsstrategie, unsere Programme möglichst auf allen Ebenen zu verwerten.“ Wie ernst es ihm mit „alle Ebenen“ ist, zeigen die Bücher, Brett-, Hör- und PC-Spiele, DVDs und die Flut an Merchandising. „Wahre Liebe hat eben ihren Preis“, wie Magnus erklärt. Auch wahre Fan-Liebe zu den Serienhelden.

Genauso simpel gestrickt und leider auch effektiv wie das aggressive Vermarktungskonzept sind die Figuren, die vor Wald- und Wiesenlandschaft das Rudiment einer Serienstaffel abspulen. „Das ist die blödeste Geschichte, die ich je gehört habe“, beurteilt einer von ihnen treffend das spannungslose Kino-Spin-Off aus Rittermärchen, Vorschul-Romantik, die Wollust zensiert und aus sieben Sünden sechs macht, und Freundschaftsabenteuer: „Ich geh nach Hause!“ Wer dem Beispiel nicht folgt, erlebt die cineastische Version der von Magnus aufgezählten Todsünden: „Stillosigkeit, Langeweile, schlechte Witze.“ Und zwischendurch tiefschürfende Existenzkrisen wie abgebrochene Absätze. Zum Glück hat Delia Ersatzschuhe und die Suche kann weitergehen. Wer wie der Antiquitätenhändler, der Daniel die „Ringe der wahren Liebe“ als schenkt, glaubt, ein kleiner Blick schade vielleicht nicht, wird schwerer geprüft als Daniel.

Der muss um die von einem Deus Ex Machina erschienenem Ritter (Bert Tischendorf) entführte Nina zu befreien, den titelgebenden Pfad der 7 Sünden bewältigen. Das kann nur „wahre Liebe“, die Daniel öfter beschwört als Lilo Wanders. Pornografische Assoziationen weckt neben dem Filmtitel die Praxis, erwachsene Darsteller als Teenager auszugeben, die sich wiederum unangemessen kindisch verhalten. Vermutlich besitzt dieses Auftürmen des Grotesken einen versteckte Logik und ist Komponente der Formel, anhand der man im Sinne der Mystik-Atmosphäre des Serienpendants das Alter der Figuren ausrechnen soll. Also: (reales Durchschnittsalter (25) + geistiges Durchschnittsalter (8)) : 2 = Durchschnittsalter der Filmcharaktere (16). Für Produzent Wegener geht unterdessen eine andere Rechnung auf: „Teil unserer Strategie ist es, die Verwertung unserer Programme auf allen Verwertungsebenen immer selber vorzunehmen. … So können wir den gesamten Markenverlauf steuern und noch mehr Synergien mit der restlichen Vermarktung direkt nutzen.

Weitere Kinofilme seien dabei durchaus denkbar. Bleibt nur die Hoffnung, die an nichtige Charaktere verschenkten Darsteller werden sich davon mit Magnus´ Filmzitat abwenden: „Ihr könnt hier gerne weiter Karneval spiele, aber ich geh wieder nach Hause. Für so ´ne bescheuerte Aktion erlange ich ´ne höhere Gage.

  • Beitragsbild © Studio100 Media