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Bad is beautiful im Animationsspaß „Despicable Me“

Bad is beautiful im Animationsspaß „Despicable Me“

Wenn Gru einem weinenden Kind einen Luftballon schenkt, dann um ihn umgehend zu zerstechen. An der Kaffeetheke wird er zuerst bedient, weil er die Wartenden per Gefrierstrahler vereist und seine Behausung schmücken Tierleichen. Der spitznasige Misanthrop ist eprofessioneller Superbösewicht. Noch fieser als der Antiheld ist der rabenschwarze Humor des 3D-Abenteuers, mit dem Regie-Duo Pierre Coffin und Chris Renaude zeigen, dass 3D-Kino außer Selbstreferenzen, Popkultur-Zitaten und Schaueffekten noch anrührende Geschichten zu bieten hat. Mit skurrilem Charme und Experimentierfreude stellt das Debüt der Illumination Entertainment Studios routinierte Endlos-Fortsetzungen großer CGI-Produktionsstätten spielend in den Schatten. 

Die Konkurrenz schläft nicht, muss auch Gru (Sprecher: Steve Carell) feststellen. Die Bank des Bösen hält ihn aufgrund seines geringen Erfolgs bei seinen Untaten für kreditunwürdig. Nun droht der schmierige Superbösewicht Vektor (Sprecher: Jason Segel) ihm den Rang abzulaufen. Als ultimative Übeltat will Gru im Gegenzug den Mond stehlen. Dafür benötigt er die Hilfe der Waisen Margot (Miranda Cosgrove), Agnes (Elsie Fisher) und Edith (Dana Gaier). Kurzerhand adoptiert er die überglücklichen Mädchen, die sich endlich in einem richtigen Zuhause wähnen. Die Drei bringen Chaos ins Geheimlabor von Wissenschaftler-Komplizen Dr. Nefario (Russell Brand) und Zuneigung in Grus Leben. 

Grus erwachende Vatergefühle mögen vorhersehbar sein. Umso überraschender sind die anarchischen Witze im Sekundentakt. Das hohe Tempo drosseln leisere Zwischentöne. Was den den Fiesling mit suspektem Akzent umtreibt, deutet der Originaltitel an. Gru findet sich selbst verachtenswert. Rückblenden enthüllen, wie aus einem abenteuerlustigen Kind ein verbitterter Erwachsener wurde. Er will es allen zeigen – besonders Mama. Die ersehnte Zuneigung findet er unerwartet bei Agnes, Margo und Edith. Ihnen droht Grus Schicksal, wenn sie im Waisenhaus der lieblosen Kinderheimleiterin (Julie Andrews) aufwachsen müssen. Das wahre Böse sind unfähige Erziehungsberechtigte, die Kinder ignorieren, schikanieren oder mit Geschenken ruhigstellen. Und natürlich die Bank natürlich, wegen der Gru seinem Heer gelber Minions keine Gehaltserhöhung zahlen kann. 

Obwohl mitunter allzu überdreht, überzeugt die Story mit Originalität und authentisch-liebenswerten Protagonisten. Weil in jedem Superschurken ein Kind steckt und in jedem Kind ein Superschurke, wachsen die drei Mädchen und ihr Ziehvater zu einer liebenswerten Alternativfamilie zusammen. Darf man jemandem Waisenkinder anvertrauen, dessen Name die Abkürzung für den russischen Militärnachrichtendienst ist? Ja, wenn er ihnen für süße Träume die Mona Lisa und van Goghs Sternennacht im Kinderzimmer aufhängt. Statt von Läuterung erzählt der fantasievolle Kinospaß von Zusammenhalt und Selbstrespekt. Gru ist böse, aber nicht mehr bitter-böse. Auch eine Art Happy End. 

  • OT: Despicable Me 
  • Regie: Pierre Coffin, Chris Renaud, Sergio Pablos 
  • Drehbuch: Ken Daurio, Cinco Paul 
  • Produktionsland: USA 
  • Jahr: 2010 
  • Laufzeit: 95 min.
  • Cast: Steve Carell, Jason Segel, Will Arnett, Miranda Cosgrove, Danny McBride, Kristen Wiig, Ken Jeong, Russell Brand, Jemaine Clement,  Julie Andrews
  • Kinostart: 30.09.2010
  • Beitragsbild © Universal Pictures International 
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