#movie #review #cinema #critic #film #festival #podcast

„Pommes essen“ ist aufgewärmtes Comedy-Junk-Food

„Pommes essen“ ist aufgewärmtes Comedy-Junk-Food

Früher hatten alle Arbeit und reichlich Kohle, unter der Erde, in der Tasche und in der Fritten-Bude von Großvater Frey (Peter Bongartz). In dritter Generation steht es mittlerweile schlecht um „Freys Feynem Imbiss“. Der kämpft trotz Spezialsoße nach Geheimrezept mit der Konkurrenz aus den eigenen familiären Reihen. Dabei könnte die Heile Welt doch auf ewig eine sein, bliebe nur immer alles, wie es ist. Mit dieser Grundeinstellung inszeniert Tina von Traben ihr Kinodebüt, das an den gleichen Defiziten krankt wie das fortschrittsrenitente und innovationsfeindliche Familienunternehmen. 

Davon gibt es genau genommen zwei: die von Frieda Frey (Anneke Kim Sarnau) mit Hilfe der Töchter Lilo (Tabea Willemsen) und Selma (Marlene Risch) geführte Imbissbude und den von Friedas Bruder Walther (Smudo) gegründeten Fast-Food-Riesen „Pommes King“. Die Regisseurin und Co-Drehbuchautorin hat ihre Sympathien klar verteilt und verspielt gerade damit die des Publikums, sowohl für die Hauptfiguren als auch ihre fettig-klebrige Story. Die serviert passend zum Titel eine einfallslose Kombi billiger Fertigkost, triefend vor schmierigem Sentiment, vollgestopft mit künstlichen Emotionen und so wuchtig, dass moderat portionierte 85 Minuten eauf den Magen schlagen. 

Die zweifelhafte Nostalgie und Verklärung einer Ära und eines spezifischen Milieus sind eines der Symptome des inhärenten Konservativismus des nach außen hin fröhlich-lockeren Familienfilms. Dessen vorhersehbare David-gegen-Goliath-Story verurteilt tatsächlich Unabhängigkeit und Individualismus, den sie durch Favorisieren des Imbiss vor dem Großbetrieb zu unterstützen vorgibt. Onkel Walther ging lieber seinen eigenen Weg, statt elterlichen Vorgaben zu folgen. Eigenständigkeit macht ihn zum fiesen Egoisten, Erfolg zum bösen Materialisten. Dabei ist seine Schwester Frieda wesentlich skrupelloser, wenn es um’s Geldsachen geht. 

Die Töchter betrachtet Mama als leibeigene Arbeitskräfte. Dass die Älteste Patty (Luise Risch) nach einem Beruf in einem Restaurant mit handwerklichen und qualitativen Ansprüchen strebt, riecht in dem pappigen Plot ebenfalls nach kaltherzigem Karrierismus. Die geheime Spezialsoße auf dem Frittierfett-Fraß wird zum kuriosen Symbol für die hehren altväterlich – hier: großväterlichen – Familienwerte, die bewahrt werden müssen. Ein großer Klecks davon und den Konsumenten schmeckt jede aufgewärmte Industrieware, mag sie noch so billig und fade sein. Hauptsache, die Kasse klingelt. Ob im Imbiss oder Kino. 

  • OT: Pommes Essen
  • Regie: Tina von Traben
  • Drehbuch: Tina von Traben, Rüdiger Bertram
  • Produktionsland: Deutschland
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 85 min. 
  • Cast: Luise Risch, Marlene Risch, Tabea Willemsen, Thekla Carola Wied, Anneke Kim Sarnau, Smudo, Erik Madsen, Michael Keseroglu, Paul Faßnacht, Gernot Schmidt
  • Kinostart: 12.07.2012
  • Beitragsbild © Farbfilm Verleih