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Naturdoku „Serengeti“ zeigt die malerische Wildnis der Wüste

Naturdoku „Serengeti“ zeigt die malerische Wildnis der Wüste

Weites Land nannten die Massai die sich bis zum Horizont erstreckende afrikanische Savanne. In abgewandelter Form trägt die Serengeti noch heute ihren Urnamen. Von den nördlichen Grenzen Tansanias und den Viktoria-Fällen erstreckt sich die Grassteppe bis nach Kenia. Im Herzen der kilometerweiten Savanne liegt der fast 15.000 Quadratkilometer große Serengeti-Nationalpark, der seit 1981 zum UNESCO Weltnaturerbe zählt. In eindrucksvollen Bildern fängt Reinhard Radkes Naturdokumentation die majestätische Schönheit von Landschaft und Tierwelt ein. 

In erfrischender Weise bricht der Familienfilm mit dem konventionellen Schema des Naturfilm-Genres. Die Inszenierung verzichtet auf drollige Kommentare und Vermenschlichung der Tiere, die in Naturfilmen von Klassikern wie Die Wüste lebt bis hin zu jüngeren Werken wie Wächter der Wüste eine bis an die Schmerzgrenze verniedlichte Natur zeigen. Grandiose Kameraaufnahmen fangen den Überlebenskampf auf den entbehrungsreichen Tierwanderungen ein. Der ernsthafte Unterton macht das realistisch gestaltete Naturdrama besonders für ein Kinderpublikum spannend. Anders als die Mehrheit der auf bombastische Schaueffekte abzielenden IMAX-Produktionen suggeriert diese nicht, der Mensch lebe in Einklang mit der Natur. 

Die Spuren, denen das Filmteam folgt, sind nicht nur die von Gazellen und Geparden. Großwildjagd, die mit der Kolonialisierung Tansanias über die Serengeti hereinbrach, dezimierte zahlreiche Arten bis an den Rand der Ausrottung. Ein grausames und verachtenswertes Hobby, das unverändert geduldet wird. Umweltzerstörung, Dürre und der Mensch sind für die Tierprotagonisten die eigentlichen Bedrohungen. Radke erinnert an die Dramatik der Umweltzerstörung und verweist gleichzeitig auf die postkolonialistischen Konflikte vor Ort, ausgelöst durch Vertreibung und Landraub. Nach wie vor ist der schwelenden Konflikt zwischen Naturschutz und den Rechten der Einheimischen ungelöst. 

Die historische Problematik bleibt indes nur Hintergrundkolorit der Wildnisdarstellungen. Im Fokus liegt der ökologisch Reichtum des Titelorts. Die beeindruckende Szenen der ungeachtet ihrer Länge einnehmenden Kinosafari mahnen, dass Grzimeks Filmtitel unverändert gilt. Die Savanne lebt – doch nur, wenn wir Menschen sie lassen.

  • OT: Serengeti 
  • Regie: Reinhard Radke 
  • Drehbuch: Reinhard Radke
  • Sprecher: Hardy Krüger, Jr. 
  • Produktionsland: Deutschland
  • Jahr: 2010
  • Laufzeit: 106 min. 
  • Kinostart: 4. November 2010
  • Beitragsbild © Universum Film 
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