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Chilly TV sleeper „Don’t be afraid of the Dark“ re-messed by Disney

Chilly TV sleeper „Don’t be afraid of the Dark“ re-messed by Disney

Ein weiteres Mal John Newlands bizarren Fernseh-Horror aus den 70ern zur Sichtung auszugraben, wäre wohl ähnlich ernüchternd wie Troy Nixbys formalistisches Remake. Dessen imaginationsarmen Plot lenkt Guillermo del Toros Drehbuch in eine gänzlich andere Richtung als die, in welche das Original sich halb unbewusst vortastet. Die pathologischen Untertöne ankern nicht mehr in der Psyche der Protagonistin Sally, sondern der Meta-Ebene. Sally ist jetzt ein kleines Mädchen (Bailee Madison) und ihr Ehemann Alex ist nun der Vater (Guy Pearce). Was immer del Toros aus dieser vieldeutigen Abänderung aufbauen wollte, wird nie zu mehr als einem traditionellen alten Spukhaus, an dessen nicht-menschlichen Bewohnern vor allem das miese CGI gruselig ist.

Angesiedelt zwischen Kinderalptraum und Grusel-Gute-Nacht-Geschichte, adaptiert die Handlung wie The Devil´s Backbone und Pan’s Labyrinth die Perspektive einer kindlichen Hauptfigur, die in abweisender Umgebung gefährlichen Geheimnissen nachspürt. Die unterliegenden Motive mangelnder elterlicher Fürsorge und generationsübergreifenden Unheils vermittelt indezent der der Lovecraft-like Ortsname Providence. Dort liegt das schaurige Anwesen, das Alex mit seiner Freundin seiner Freundin Kim (Katie Holmes) restauriert. Der absehbare Konflikt zwischen Tochter und neuer Partnerin ist in den atmosphärischen Kulissen eine doppelte störende Ablenkung: Die überkonstruierte Streiterei unterminiert jeden Hauch von Grusel.

Vor allem jedoch exorziert sie den psychologischen Subtext der Vorlage. Dessen Heldin ist eine der als hysterisch abgestempelten Frauen, die tatsächlich einem monströsen Familiengeheimnis auf der Spur ist. Dass Sally im Remake buchstäblich infantilisiert wird, sagt indirekt ebenso viel über das soziale Machtgefüge aus wie über den Blickwinkel von Autoren und Regisseur. Sie berauben den Plot seiner Substanz, die Kreaturen ihres Schreckens und das Szenario seiner Suggestivität. Letzte überlebt einzig auf den Postern, die scheinbar mit mehr Inspiration und Ambition entworfen wurden als die filmische Neuauflage eines Werks, das am Besten dort aufgehoben ist, wo es liegt: in beschönigender Erinnerung. 

  • OT: Don’t be afraid of the Dark
  • Regie: Troy Nixey
  • Drehbuch: Guillermo del Toro, Matthew Robbins
  • Produktionsland: Australien, USA
  • Jahr: 2010
  • Laufzeit: 99 min.
  • Cast: Guy Pearce, Katie Holmes, Bailee Madison, Alan Dale, Julia Blake, Jack Thompson, Eliza Taylor-Cotter, Bruce Gleeson, Eddie Ritchard, Garry McDonald, Libby Gott, Nicholas Bell
  • Beitragsbild © Walt Disney / Miramax