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Sinn, Sinnlichkeit & Seichtheit: „Die Prinzessin von Montpensier“

Sinn, Sinnlichkeit & Seichtheit: „Die Prinzessin von Montpensier“

Verstand und Gefühl stehen einander immer im Wege. Lange vor Jane Austen zog dieses nüchterne Fazit Madame de Lafayette, auf deren Novelle Bertrand Tavernier sein gediegenes Kostümdrama aufbaute. Neigungen korrigiere man mit Worten, sagt der zukünftige Schwiegervater der Titelfigur, die sich den Status einer Heldin erkämpfen muss. Weder die strenge Doppelmoral der Renaissance, noch die üppige Bildsprache, in die Bertrand Tavernier den Literaturklassiker übersetzt, können das glühende Begehren der jungen Marie (Melanie Thierry) ersticken. Die zerbrechlich anmutende Protagonistin lässt sich durch die arrangierte Heirat mit dem Prinzen von Montpensier (Gregoire Lepince-Ringuet) ebenso wenig desillusionieren wie durch den Verrat ihres heimlichen Geliebten Henri de Guise (Gaspard Ulliel).

Letzter ist tapfer im Krieg und sonst ein Feigling, der Maries Zuneigung durch Ruhm gewinnen will. Der materialistische Wertmaßstab, der Macht, Einfluss und Status über alle charakterlichen Eigenschaften stellt, definiert die Handlungen der Figuren selbst dann, wenn sie sich ihm zu widersetzen versuchen. Während Maries Gatte die Kriegsjahre auf dem Schlachtfeld verbringt, eignet sich mit Hilfe des Gelehrten Chabannes (Lambert Wilson) politische und literarische Bildung an. Wie de Guise, Montpensier und der Kronprinz Graf d‘Anjou (Raphael Personnaz) verfällt er der ätherischen Schönheit der wissbegierigen Adligen, doch ihre Verbindung ist eine intellektuelle. Beide sind Deserteure, Chabannes im Krieg und Marie in der Ehe.

Beide bezahlen ihre Aufrichtigkeit und emotionale Integrität mit bitter. Das Frankreich des 16. Jahrhunderts, indem der Krieg zwischen Katholiken und Protestanten seinen blutigen Höhepunkt erreicht, dient der Historienromanze als opulente Bühne, die an zeitgenössische Gemälde erinnert. Das eindrucksvolle Set- und Kostümdesign verleiht dem wechselhaften Schicksal der nicht nur für die Epoche des Romans ungewöhnlich selbstbestimmten Hauptfigur einen angemessen kapriziösen Rahmen. Schwülstigkeit wird den Figuren gefährlicher als Betrug und Intrigen, die den überlangen Plot am Laufen halten sollen. Der einzig interessante Aspekt in diesem Geflecht aus Gier – sei sie politisch, materiell oder sexuell – ist Maries Trotz gegen eine Welt, die sie als Ware im politischen Handel betrachtet.

  • OT: La Princesse de Montpensier
  • Regie: Bertrand Tavernier
  • Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier, Madame de Lafayette
  • Produktionsland: Frankreich
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 139 min.
  • Cast: Melanie Thierry, Lambert Wilson, Gaspard Ulliel, Gregoire Leprince-Ringuet, de Bodinat, Eric Rulliat, Samuel Theis, Judith Chemla, Raphael Personnaz, Michel Vuillermoz
  • Kinostart: 27.10.2011
  • Beitragsbild © StudioCanal