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Steiniger Weg: Sergei Loznitsas Spielfilmdebüt „Mein Glück“

Steiniger Weg: Sergei Loznitsas Spielfilmdebüt „Mein Glück“

Jeder Weg führt in den Tod. Bedächtig betrachtet der Mann den Grabstein auf dem alten Friedhof, zu dem der Blick ihn verfolgt. Doch er ist ein Niemand, einer der zahllosen Bewohner des gespenstischen Niemandslandes, in das Georgi in Sergei Loznistas Mein Glück gerät. Nach elf Reportagen fantasiert der ukrainische Regisseur und Drehbuchautor ein pessimistisches Road Movie, hinter dessen grausam-bizarrer Realität sich ein surrealer Abgrund öffnet. Georgi (Viktor Nemets) ist der Weg verbaut. Die Landstraße, von der eine Wegposten den Lastwagenfahrer abbringt und der Weg, den sein Leben nehmen sollte. Der Rat einer jugendlichen Prostituierten (Olga Shuvalova) führt ihn in ein entlegenes Dorf im ukrainischen Hinterland.

Hier dreht sich seine Suche nach der richtigen Straße im Kreis. Einem kafkaesken Schauermärchen entsprungen scheint der morbide Ort, an dem Verrohung und Gewalt hausen. Schleichend enthüllt sich die Ausweglosigkeit von Georgis Lage. Loznistas Spielfilmdebüt ist so unzugänglich wie das osteuropäische Hinterland. Gegen jeden Eindringling sträubt sich das bizarre Alptraum-Reich, doch wer einmal in es hinein gerät, den lässt es nicht mehr ziehen. Kein lichter Moment erhellt den trüben Himmel. Georgi selbst hat den Glauben an die Zukunft längst aufgegeben. Jeder Weg führt in den Tod. Georgis Pessimismus steht sinnbildlich für den einer Bevölkerungsschicht. Den Zuschauer bedrängen die toten Seelen ebenso wie den Protagonisten, der nur durch die Handlung zu treiben scheint, um Einblicke in dieses Leben der anderen zu gewähren.

Georgis Wesen bleibt so ungreifbar wie die Handlung und jene emotionale Distanz kann die Detour trotz beklemmender Szenen nicht überbrücken. Bewusst zeichnet Loznitsa seinen Hauptcharakter vage. Georgi ist weniger Persönlichkeit als Symbolfigur für ein kollektives Empfinden, ein Somnambuler, der durch ein schemenhaftes Verfallsszenario streift. Es ist nur ein weiteres Teil in Loznistas düsterem Filmpuzzle, welches der Geist des amerikanischen Road Movies in der postsowjetischen Ukraine durchweht. Wanderer, die entlang der maroden Landstraßen gehen, gehören hier zum Straßenbild. Verlebte Erscheinungen und verhärmte Gesichter verweilen gleich Gespenstern in den Bildern. Die Geschichte dieser Gesichter erzählt die filmische Reise.

  • OT: Schastye moe
  • Regie: Sergei Loznitsa
  • Drehbuch: Sergei Loznitsa
  • Produktionsland: Deutschland, Ukraine, Niederlande
  • Jahr: 2010
  • Laufzeit: 127 min.
  • Cast: Viktor Nemetes, Vladimir Golovin, Alexei Vertkov, Dimitriy Gotsdiner, Olga Shuvalova
  • Kinostart: 03.02.2011
  • Beitragsbild © Farbfilm Verleih