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Happiness Bang Bang Shoot Shoot: „Act of Valor“

Happiness Bang Bang Shoot Shoot: „Act of Valor“

Freiheit. Gerechtigkeit. Familie.“ Diese Prinzipien strahlen gleich einem Heiligenschein über dem filmischen Werk, dessen heuchlerische Moral der Hauptprotagonist Special Warfare Operator Chief Dave in Pathos triefenden Worten niederschreibt. Jene Grundsätze zu schützen ist das erklärte Ziel der Navy Seals, deren Einsätze das ursprünglich als Werbefilm konzipierte Actiondrama zu vorbildlichem Heldentum sublimiert. Der Vorgesetzte der Eliteeinheit der US-Armee Lieutenant Commander Rorke ist bester Freund Daves, der dessen Sohn im Namen des gefallenen Kameraden einen epischen Brief über Ehre, Verantwortungsbewusstsein und Mut schreibt.
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Wir finden, dass unser Film ein völlig eigenes Genre begründet„, erklärt Mike McCoy. Das gelingt ihm und dem Co-Produzenten und Co-Regisseur Scott Waugh in Act of Valor. Dessen Hauptfiguren demonstrieren militärische Effektivität in amateurhaften Actionsequenzen, die visuell zwischen Handyvideo und Computerspielästhetik rangieren, im Kampf gegen den Terror. Die Anonymität der realen Soldaten wirkt kontraproduktiv auf die Charakterisierung der verkörperten Leitbilder, deren Dienstgraden die Kurzbeschreibungen mehr Bedeutung beimessen als der Persönlichkeit. Einblicke in sie gewähren auch nicht die nüchternen Kommandos, die ausgearbeitete Dialoge ersetzen. Die automatisierte Kommunikation betont die Instrumentalisierung der Männer aus Ghettos, Armenvierteln und Kriminalität.
 
Das Militär fungiert als gesellschaftliche Firmung potentiell destruktiver Risikogruppen. Welche Sozialpolitik wäre ökonomischer, als die durch wirtschaftliche Diskriminierung geweckten Aggressionen gegen ein zum seelenlosen Popanz verzerrtes Feindbild zu kanalisieren. „Allah ist groß“, sagt ein bärtiger Islamist in die Kamera eines fiktionalen Bekennervideos. Aber in unübersetztem Arabisch klingt das wie „Wir wollen euch alle zerstören.“ Die monströsen Muslims der Filmrealität, die konvertierte Philippinos und Kommunisten sind, daran zu hindern, scheint probater Ausweg aus einem Sackgassen-Job im Supermarkt, wie ihn einer der Männer vorher ausübte. „Nur Vater werden ist besser„, sagt Dave. Und Väter sind alle der Männer. „Die Regeln, die deinen Vater zu dem gemacht haben, was er war, werden auch aus dir einen guten Mann machen„, lernt Rorkes Sohn von Dave. „Du musst genauer hinsehen„, riet ihm wiederum sein Vater bezüglich kubistischer Kunst. Doch eine differenzierende Perspektive ist überflüssig, wo kein Nebel des Krieges die Schwarz-Weiß-Sicht der Inszenierung trübt.

Acht Ausländer sind auf dem Weg in unser Land und es ist klar, dass die keine großen Fans von uns sind„, heißt es über mit Sprengstoff bewehrte Attentäter, die der in Südamerika lebende russisch-jüdische Überschurke mit einem zum Islam konvertierten Russen über die mexikanische Grenze in die USA schleust. Die Verschwörungstheorie gerät zum aberwitzigen Exempel neofaschistischer Paranoia, deren Absurdität den Figuren bewusst scheint: „Du erwartest nicht, dass deine Familie versteht, was du tust„, sagt Dave. „Du hoffst nur, dass sie wissen, dass du es auch für sie tust.“ Familie bedeutet nicht nur die bei Lagerfeuerabenden und Badeausflügen versammelten Verwandten, sondern die Nation. Krieg sei ein Akt der Gewalt, um dem Gegner unseren Willen aufzuzwingen, schrieb Carl von Clausewitz. Bei McCoy und Waugh ist er Normalzustand zur Garantie ziviler Sicherheit und globaler Ordnung. Wie diese Ordnung auszusehen habe, delegieren die Seals dank eines universellen Gut-Böse-Verständnisses, dass sie von jedem ethischen Zweifel befreit.

Die Soldaten hadern nicht untereinander, mit ihren Vorgesetzten oder der Mission. Es gibt keine inneren Konflikte, psychisch oder politisch, nur einen äußeren Konflikt, der die humanistische Makellosigkeit des Vaterlandes umso heller strahlen lässt. „Das Leben basiert auf einem Wertesystem, einem Ethos. Das ist der Leuchtturm, der einem den Weg zurück nach Hause weist.“ Ruft der Vater den Babysohn mit einem indianischen Zitat „Sing your death song und die like a hero coming home.“ ins Ehrengrab, fehlen einem die filmkritischen Worte. Dem Film nicht: „Der Scheißefilter ist voll.

Come on fathers don’t hesitatesend your sons off before it’s too lateand you can be the first ones on your blockto have your boy come home in a box.

Country Joe
  • Beitragsbild © Universum
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