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Berlinale ’15 Panorama: „Bizarre“ is at best bizarrely bad

Berlinale ’15 Panorama: „Bizarre“ is at best bizarrely bad

Der Titelort, an dem Etienne Faures fragmentarische Beziehungscollage entstand, hält weiterhin im New Yorker Stadtteil Bushwick seine Türen offen und lockt mit seinen burlesken Bühnenshows die Besucher. Wenn  Bizarre im Panorama der Berlinale und vielleicht noch auf ein paar anderen Festivals gelaufen ist, könnten es noch einige mehr werden. Ein paar kommen immer, nur so, um zu sehen ob es wirklich so mies ist wie es auf der Leinwand aussieht. Denn wenn Faure den reale Club huldigen wollte, erweist er ihm mit Bizarre einen Bärendienst. 

Den exzentrischen Auftritte diverser Schausteller, auf die sich der Regisseur und Drehbuchautor mehr fokussiert als die Entwicklung einer substanziellen Story, gelingt nichtmal zu schockieren, wobei sie das doch so verzweifelt wollen. Amüsiert wird man erst recht nicht, aber da gehört womöglich zu einem obskuren SM-Konzept? Nur, weil ein Song von einem Kleinwüchsigen im Rollstuhl in Unterhosen vorgetragen wird, ist er nicht automatisch gut. Und ein für alle mal: Abgewetztes Burleske-Outfit verwandelt nicht jede Frau in Dita von Teese! Fast scheint es da vorausschauend, dass die Clubbesitzerinnen innerhalb der Filmhandlung von Gewinneinbußen und drohender Schließung sprechen. Von der Location des ziellosen Dramas hat man nach knapp 100 Minuten jedenfalls vorerst genug. Gegenüber den Protagonisten fühlt man kaum anders. Faures Figuren sind scherenschnittartig, ihre Erlebnisse mal theatralisch, mal trivial, in jedem Fall aber ermüdend. Das Ensemble spielt entweder sich selbst oder augenscheinlich gar nicht. Vermutlich verging auch ihm bald die Lust, zumindest die kreative. In Sachen Sex geht da noch einiges, was in alle möglichen Eifersüchteleien mündet. Ein Verhältnis ohne Klammern und Rumzicken, das wäre dann doch zu bizarre, Name hin oder her! Im echten Bizarre mag vielleicht nie Gesehenes abgehen, auf der Leinwand jedenfalls regiert die Konvention. 

Besonders deutlich zeigt dies der Plot: Der junge Herumtreiber Maurice (Pierre Prieur), der aus Frankreich nach New York gekommen ist, findet im Nachtclub von Kim (die reale Clubmitarbeiterin Raquel Nave) und deren Bett- und Berufspartnerin (Rebeka Underhill) einen Job im Barbetrieb. Sein gleichaltriger Kollege Lukas (Adrian James), der vermutlich so heißt, weil er gestylt ist wie der junge Lukas Haas, ist fasziniert vom wortkargen Maurice. Nachvollziehbar wird Lukas‘ Zuneigung nicht, aber das werden die wenigstens Dinge, die die wackelige Handkamera festhält. Die gesamte Inszenierung besitzt etwas von beiläufigem Voyeurismus. Faure betrachtet mehr oder weniger attraktive junge Menschen in einem speziellen Milieu dabei, wie sie – nichts tun. Klar, sie haben in allen möglichen Konstellationen Sex, aber das ist nicht spannender als ihre restlichen Aktivitäten: Frühstück machen, ins Sportstudio gehen, Monopoly spielen und andauernd duschen. Bis unter der Dusche dann schließlich etwas Schlimmes passiert – und damit ist nicht gemeint, das Kims Handy nass wird und kaputt geht! Nur weil ein Film in einem multisexuellen Umfeld spielt, heißt das noch lange nicht, das seinen schwulen Protagonisten die üblichen Tragik-und-Tod-Klischees erspart bleiben.

Die Filmkamera ist offenbar wasserdichter als es das Smartphone war, so dass noch eine Weile Herumhängen und Herumpoppen mit Maurice, Lukas, dessen Boxkumpan Charlie (Charlie Himmelstein) und natürlich Kim dazukommt. Am Ende der bizarren Ballnächte gibt es noch eine Portion Folter und Mord, wohl um sicher zu gehen, dass man dem Titel auch gerecht wird. Wie spannend der reale Club Bizarre auch immer sein mag, sein Leinwand-Pendant ist es nicht. 

  • Beitragsbild © Berlinale